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18:00 12.07.2018
GEEHRT: Egon Kuhn mit Herbert Schmalstieg, Yasmin Fahimi, Edelgard Bulmahn und Ortsvereinschef Philipp Schmalstieg. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Rollstuhl, Baskenmütze, roter Schal – schon über eine Distanz von 100 Metern oder mehr fällt Egon Kuhn auf. Das war schon so, als er noch wieselflink durch Linden lief. „Die meisten haben gedacht, er sei der Bürgermeister, und das Freizeitheim Linden stünde unter seiner Trägerschaft“, erinnert sich Ex-OB Herbert Schmalstieg an seine ersten Begegnungen mit dem Weggefährten. Der ist jetzt 60 Jahre in der SPD.

„Wir waren die linke Zelle in Hannover“, erzählt der 91-Jährige über die alten Zeiten. Geboren als Sohn einer Italienerin und eines Deutschen in Osnabrück, war er 1943 als Soldat zur Marine gegangen. Statt des ursprünglichen Traumberufs U-Boot-Kommandat landete er bei der Hafenbahn, gewann dann als Autodidakt mehr als nur politisches Wissen.

„Ich bin Marxist und Sozialist“, sagt der Mann mit dem grauen Schnauzbart. Und er ist Strippenzieher und Netzwerker wie kaum ein Zweiter. „Ohne Egon Kuhn wäre Hannovers SPD eine ganz andere“, findet Ex-Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Sie ist dankbar über die Phase unter seinen Fittichen, als er ihr Tageszeitungen gab und den Blick schärfte über die Bildung von unten, über den Anspruch von Gleichwertigkeit.

Streng genommen ist auch Herbert Schmalstieg einer aus Kuhns Kaderschmiede. Die Sozialdemokraten hatten sich als Nachfolger von OB August Holweg längst einen Nachfolger ausgeguckt. Doch da bestellte der Lindener den Jungsozialisten ein und beschied, der müsse Oberbürgermeister werden. Was dann ja auch klappte. Beim Amtsantritt war Schmalstieg der jüngste OB Deutschlands – und er blieb fast 35 Jahre im Amt.

Kuhn freut sich, wenn die Herzen jener, die er gefördert hat, noch links schlagen – egal, ob es Schmalstieg, Bulmahn oder die Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi ist. Die gute alte SPD müsse sich wieder auf ihren Markenkern besinnen und links sein, wünscht er sich. Parteichefin Andrea Nahles handle zu oft bestimmt durch Sachzwänge, und die Partei gehe nicht sorgfältig genug mit ihrer Geschichte um.

Da wird Kuhn immer noch nicht müde, dagegen anzuarbeiten. Er liebt Kultur- und Geschichtsprojekte, hat ihnen als Leiter des Freizeitheims Linden eine Heimat gegeben. Er gründete die Otto-Brenner-Akademie für generationsübergreifendes Lernen und baute ein Archiv der Arbeitergeschichte auf. Wie auf Knopfdruck kann er die wichtigsten Daten und Ereignisse aufzählen. Wer sich so leidenschaftlich wünscht, dass die SPD-Spitze mal nach Amsterdam fährt und einen Kranz niederlegt zum Gedenken an Werber Blumenberg (Gründer und Koordinator der Sozialistischen Front aus Ronnenberg, der vor der Gestapo nach Holland flüchten musste), wird auch mit der neuen Nadel für 60-jährige Partemitgliedschaft noch lange nicht Ruhe geben ...

Von Vera König

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