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14:10 11.03.2018
ER ZEIGT BILDER AUS DER HÖLLE: Hosam Katan (24) lebt nun in Hannover – und stellt im Pavillon seine Fotos aus.
hannover

Unablässig fallen in diesen Tagen Bomben und Raketen auf die syrische Rebellenhochburg Ost-Ghuta. Täglich gibt es mehr Tote und Verletzte. Hunderttausende Menschen sind eingeschlossen. Ihnen fehlt es am Nötigsten. „Erst Aleppo und jetzt dort. Das Töten hört nicht auf.“ Ruhig spricht Hosam Katan (23) seine Worte aus. Er, der junge Syrer, der genau weiß, wie es nach Bombeneinschlägen in einer Stadt riecht. Wie viel Staub danach in der Luft liegt und wie schön zugleich die Sonnenstrahlen dadurch aussehen können. Wie beinahe friedlich eine tote Hand, die aus den Trümmern herausragt, wirkt. Und wie viele Tränen fließen, wenn syrische Eltern ihre toten Kinder beweinen.

Hosam Katan weiß das. Er hat den Horror des Syrienkrieges selbst erlebt und überlebt. Und er hat den Horror, das Sterben und immer wieder auch die kindliche Lebensfreude in all diesem Chaos festgehalten. Erst mit der Handykamera, später mit seiner Fotokamera. Katan erzählt offen: „Bei meinen ersten Einsätzen habe ich nur geweint. Das Leiden der Menschen ist hart anzusehen.“ Er machte trotzdem weiter. „Außer mir gab es sonst kaum Fotojournalisten in Aleppo. Ohne mich hätte die Welt den Horror nie sehen können.“

Die New York Times druckte als erste Zeitung 2013 ein Foto des Autodidakten, der eigentlich mal den Plan hatte, Jura zu studieren. „Aber der Krieg bringt eben alle Pläne durcheinander.“ Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Katans eindringliche Dokumente des Krieges rund um die Welt geschickt. Und viele renommierte Zeitungen und Magazine druckten sie. Mit seinen ebenso schockierenden wie einfühlsamen Aufnahmen vom Leben und Sterben in seiner Heimatstadt Aleppo machte sich der heute 23-Jährige einen Namen als Fotograf.

Zahlreiche Preise brachte ihm sein Mut und sein Blick für besondere Szenen ein, auch den Henri-Nannen-Preis. Der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt die Laudatio. Auch sein älterer Bruder ist inzwischen eine kleine Berühmtheit. Er gewann 2017 mit dem Dokumentarfilm „The White helmet“ einen Oscar, ist mit „Last men in Aleppo“ auch dieses Jahr für den wichtigsten Filmpreis nominiert.

Zum ersten Mal stellt der syrische Kriegsfotograf Hosam Katan nun in Hannover eine Auswahl seiner Bilder aus. Seit zwei Jahren ist die Stadt sein neues Zuhause. Die kostenlose Ausstellung, organisiert von Amnesty International, läuft vom 26. Februar bis 18. März im Pavillon.

Hosam Katan ist aufgeregt. „Es ist schon etwas Besonderes für mich hier in Hannover, wo ich nun lebe, meine Bilder zu zeigen.“ Hier in Hannover studiert er Fotojournalismus. Das wirkt beinahe absurd. Hat er doch trotz seiner nur 23 Jahre als Fotograf fast alles erreicht, so viel gesehen.

Allein 1200 Bilder veröffentlichte Reuters von ihm. Fast hätte ihn die Fotografie im Mai 2015 das Leben gekostet. „Ich war mit syrischen Rebellen in Aleppo unterwegs, nachdem sie ein neues Gebiet erobert hatten. Wir passierten eine Straße. Zehn Männer vor mir hatten Glück, mich traf ein Scharfschütze.“ Die Kugel durchschlug seinen Magen. „Dabei trug ich eine schusssichere Weste. Aber die schützt nur vorne und hinten, die Kugel traf mich aber seitlich.“ Höllenschmerzen seien das gewesen. Aber ich schwor mir dort im dreckigen Sand von Aleppo: „Hier sterbe ich nicht. Tot bin ich nutzlos für meine Kamera.“ Er überlebte, erholte sich in der Türkei bei seinen Eltern, kehrte vier Monate später zurück, fotografierte weiter. Warum geht man zurück in die Hölle? Katan: „Mich hätte nichts von meiner Arbeit abhalten können. Ich wollte einfach mit meiner Kamera weiter den täglichen Kampf der Menschen im vom Krieg gebeutelten Aleppo dokumentieren.“

Die Hoffnung, irgendwann in „sein Aleppo“ zurückzukehren, trägt er tief in sich. Jetzt geht es nicht, das weiß Hosam Katan. „Aber es wird Frieden geben. Die Entscheidungsträger müssen nur endlich anfangen, mehr Druck auszuüben. Die Menschen in Syrien hätten es so sehr verdient!“

www.hosamkatan.com

Von britta lüers

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