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00:16 19.07.2017
BERATUNGSGESPRÄCH IN DER KANZLEI: Rechtsanwalt Thorsten Osterkamp aus Döhren mit seiner Mandantin Sibylle M. Quelle: Foto: Körlin
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Hannover

„Ich sehe nicht ein, dass er mich zur Sozialhilfeempfängerin macht“, schimpft Sibylle M. Seit Jahren kämpft die fünffache Mutter, die nach 37 Ehejahren von ihrem Mann verlassen wurde, um Unterhalt. Damit teilt die 59-Jährige das Schicksal vieler Frauen. Doch der Fall der gelernten Floristin und Finanzbuchhalterin ist außergewöhnlich: Um ihre Ansprüche durchzusetzen und das ihrer Ansicht nach strafrechtlich relevante Finanzgebaren ihres Ex-Mannes aktenkundig zu machen, ist die Lindenerin bereit, sich auch selbst zu belasten.

Ihr Anwalt Thorsten Osterkamp: „Der Ex-Mann hat meine Mandantin eiskalt abserviert – kurz nachdem der Heilpraktiker und Hypnosetherapeut eine seiner prominenten Patientinnen auf meiner Ansicht nach zweifelhafte Weise beerbt hat. Er hatte die bekannte Pianistin bis zu ihrem Tod betreut, sie machte ihn zur Überraschung ihrer Angehörigen zum Alleinerben eines beachtlichen Vermögens.“

Dabei gehe es, schätzt der Anwalt, um eine halbe bis eine Million Euro. Ein Grund, warum er eine Anzeige wegen Prozessbetruges vorbereitet, denn der Ex-Mann „verschleiert seine Vermögensverhältnisse“.

Rückblende: Sibylle M. stammt aus einer hannoverschen Unternehmerfamilie. Sie war 19, als sie ihren späteren Mann kennenlernte. Der Elektriker kam als Spätaussiedler nach Deutschland. „Ich habe ihn in meiner Zwei-Zimmer-Wohnung aufgenommen, ihn immer gefördert“, berichtet die 59-Jährige. Es war Liebe auf den ersten Blick – schon nach sechs Wochen wurde geheiratet.

In den folgenden Jahren kamen zwei Töchter und drei Söhne zur Welt. M.s Ehemann arbeitete unter anderem als Heilpraktiker und Hypnosetherapeut, hatte mehrere Praxen. „Er hatte zahlreiche Klienten aus der Stadtprominenz, hat auch Hotel- und Hausbesuche gemacht, angehende Heilpraktiker unterrichtet – und sich die Taschen gefüllt“, sagt die Lindenerin, die auch einen Teil der Praxisbuchführung erledigte. Sie betont: Der Jahresumsatz habe meist Hunderttausende betragen. Doch versteuert worden sei nur ein geringer Teil der Einnahmen. Osterkamp fügt an: „Neben dem jährlich laufenden Steuerbetrug hat die Familie auch Wohngeld und andere Sozialleistungen bezogen. Eine Betriebsprüfung läuft bereits.“ Der Anwalt will für seine Mandantin die Zahlung von Unterhalt und Kindesunterhalt sowie einen Zugewinnausgleich durchsetzen.

2011, sagt M., habe ihr späterer Ex-Mann einen Vollpflegevertrag mit einer seiner betagten Patientinnen, einer hannoverschen Pianistin, geschlossen. Drei Wochen vor deren Tod im April 2012 sei er zuhause ausgezogen.

Laut der 59-Jährigen schenkte die vermögende Musikerin M.s Ex-Mann ein Auto im Wert von 30 000 Euro, machte ihn zum Universalerben. So habe ihr Ex-Mann auch das hannoversche Einfamilienhaus der Verstorbenen bekommen, wo er lebe und praktiziere. M. liegt eine eidesstattliche Versicherung einer Großnichte der Pianistin vor. Darin gibt die enterbte Verwandte an, dass das Konto und das Schließfach der Verstorbenen im Fürstentum Liechtenstein überraschend von M.s Ex-Mann geleert worden seien.

Vor diesem Hintergrund, folgert Anwalt Osterkamp, könne es doch nicht sein, dass „sich der Mann nach wie vor arm rechnet. Auch Steuerhinterziehung spielt eine Rolle. Er hat immer gut verdient und er hat Vermögen.“

Von Andreas Körlin

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