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KEINE QUÄLEREI: Die Übungen haben pflegerische und medizinische Zwecke.

KEINE QUÄLEREI: Die Übungen haben pflegerische und medizinische Zwecke.
 © Dröse

Analyse

Der Zoo ist nicht nur eine Streichelwiese

Der Zoo Hannover begrüßt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und hat selbst externe Experten eingeschaltet, um die Vorwürfe der Tierquälerei aus der Welt zu schaffen. Es ist allerdings fraglich, ob dies wirklich gelingen wird. Denn in postfaktischen Zeiten ist der Ruf schnell dauerhaft ruiniert.

Hannover.  Die emotionalen Wogen schlagen bei dem Thema hoch. Dies wird von der Tierschutzorganisation Peta sehr bewusst weiter gesteigert. In sozialen Medien wie Facebook lassen sie Posts gegen Werbegebühren täglich neu in die Topmeldungen schnellen. Dort heißt es dann: „LEIDER WAHR: Wenn Tierkinder im Zoo Hannover keine Zirkustricks ausführen möchten, wird ihnen der Elefantenhaken in die empfindliche Haut gerammt.“ Das „leider wahr“ muss dabei wohl groß geschrieben werden, damit man daran glaubt. Denn diese Botschaft enthält in der Tat Unwahres. Es geht im Zoo Hannover nicht um Zirkustricks. Die Übungen haben pflegerische und medizinische Gründe, darüber besteht in der Fachwelt kein Zweifel. Woran sich zweifeln lässt, folgt später.

Zunächst aber ein Blick auf Peta: Die Organisation ist immer für spektakuläre Auftritte gut, etwa mit prominenten Nacktmodellen für Anti-Pelz-Kampagnen. Die Ziele, für die sie sich vordergründig einsetzt, sind für viele nachvollziehbar. Welcher Tierfreund ist nicht gegen Massentierhaltung, Käfighühner und ähnliches. Außer Acht gelassen wird dabei oft, dass es Peta um weit mehr geht. Peta fordert eine Gleichbewertung von Tier- und Menschenrechten, eine ethische Grundposition, die leicht fundamentalistisch abrutschen kann. Dass Peta auf der anderen Seite selbst aktiv Tiere in ihrer Obhut einschläfert, denen kein artgerechtes Leben ermöglicht werden kann, erinnert fatal an Euthanasie.

Bei ihren Kampagnen setzt die Organisation geschickt auf große Medienwirksamkeit. Aus diesem Grund dürfte auch der Zoo Hannover mit seiner erfolgreichsten Elefantenzucht Europas ein lohnendes Angriffsziel sein. Die Attacke erweckt Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit sichert Spendeneinnahmen, egal, ob sich die Vorwürfe bewahrheiten oder nicht. In der Lesart Petas sind sie ohnehin wahr: Denn nach Ansicht der Organisation ist jede Tierhaltung durch den Menschen Tierquälerei.

Genau darin aber könnte ein möglicher Verdienst dieser Kampagne liegen: Dass man anfängt, darüber nachzudenken, ob Tierhaltung in Zoos wirklich notwendig ist. Es gibt gute Gründe dafür, es gibt auch gute Gründe dagegen. Sich damit zu beschäftigen ist allemal besser, als die Problematik zu verdrängen. Stellen wir uns dem Thema und der Diskussion. Aber seien wir dabei ehrlich.

Und damit hat der Zoo Hannover bislang seine Schwierigkeiten. Die Beschwichtigungen von Zoochef Andreas Casdorff zu Beginn der Peta-Kampagne waren zu schwammig. Sein späteres Nachrudern, sich intensiv mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen, verliert dadurch an Kraft, auch wenn seine Glaubwürdigkeit hier nicht in Frage gestellt werden soll. Hilfreicher für eine ehrliche Diskussion wäre offensive Offenheit.

Denn es sollte jedem klar sein, dass ein Elefant kein Schoßhündchen ist. Wenn so ein Tonnen schwerer Koloss auf einen zu rennt, muss man sich behaupten. Ungeachtet der Tatsache, dass das von Peta bereit gestellte Material in der Art und Weise seiner Bearbeitung durchaus viele Fragen zulässt, muss auch jedem Tierfreund klar sein: Begegnen sich Elefant und Tierpfleger im direkten Kontakt, geht es nicht ohne Elefantenhaken. Es geht auch nicht ohne einen gelegentlich kräftigen Einsatz.

Wenn ein Jungbulle sich intensiv für eine der Kühe zu interessieren beginnt, muss der Tierpfleger beweisen, dass er der Rudelführer ist. Dabei kommt es zwangsläufig zu Aktionen, die der Zoo lieber hinter den Kulissen abwickelt. Er befürchtet, das könnten Tierfreunde in den falschen Hals bekommen. Dass die Befürchtung zu recht besteht, zeigen die Folgen der Peta-Kampagne. Es sollte aber auch zum Bildungsauftrag des Zoos gehören, dem Publikum klar zu machen, was es heißt, Tiere im Zoo zu halten. Zoo ist eben nicht nur Schmusezone und Streichelwiese, wie den Besuchern gerne vorgegaukelt wird. Auch auf freier Wildbahn wird die Elefantenerziehung kaum ausschließlich aus Streicheleinheiten bestehen. Aber nur, wenn nicht mit verdeckten Karten gespielt wird, kann über die Zootierhaltung grundsätzlich diskutiert werden.

Dass sich der Zoo darüber durchaus Gedanken macht, zeigen die Planungen, in einigen Jahren vom direkten auf den geschützten Kontakt umzusteigen. Auch dies ist nicht unumstritten, da es auch Tierschützer gibt, die in den dann notwendigen Gittern eine Barriere für die soziale Interaktion sehen. Jedenfalls dauerte es einige Jahre, bis diese Haltungsform hinreichend erprobt und ausgebaut war, dass sie als Erfolgsmodell dienen konnte. Nun dauert es eben seine Zeit, bis die dafür nötigen Umbauten umgesetzt werden können. Das Problem des Zoos ist nur, diese Diskussionsprozesse immer unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit geführt zu haben. Was sich nun rächt.

Von Andreas Krasselt


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