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Wolfsberater Helge Stummeyer.

Wolfsberater Helge Stummeyer

.© Nigel Treblin

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Region Hannover

Der Wolfsversteher plädiert für Sachlichkeit

War es ein Wolf oder war es keiner? Helge Stummeyer berät bei Tierrissen in der Region Hannover. Die Schäden durch den Wolf sind bisher gering.

Neustadt. Wenn auf einer Weide in der Region ein Tier gerissen wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei Helge Stummeyer im Neustädter Ortsteil Warmeloh das Telefon klingelt. Oft mitten in der Nacht. Stummeyer ist einer von drei Wolfsberatern in der Region. Die drei haben mit dem zuständigen Kreisveterinär vereinbart, solche Fälle überprüfen zu können. Schließlich sind sie Experten, wenn es darum geht festzustellen, ob dort wirklich ein Wolf zugeschlagen hat.

Noch sind die Einsätze überschaubar. „Im vergangenen Jahr gab es in der Region zehn Fälle, bei denen Nutztiere gerissen wurden, in diesem Jahr zwei“, berichtet Stummeyer. Mal wurde dabei ein Tier, mal wurden auch mehrere getötet. In keinem dieser Fälle aber war ein Wolf der Täter. Der hält sich lieber im Wald am Wild schadlos. Auch dort kommen Stummeyer und seine Kollegen zum Einsatz. Saisonbedingt mal mehr, mal weniger. Im Schnitt etwa dreimal im Monat.

Der Wolf zeige dabei ein typisches Verhalten. „Zum Töten beißt er die Kehle durch. Dann öffnet er den Bauchraum und zieht die Eingeweide heraus“, erzählt Stummeyer. Die Innereien könnten sonst das Muskelfleisch mit Bakterien kontaminieren. Der Wolf ist schlau: „Finden wir bei dem Kadaver ein anderes Bild, können wir den Wolf zu 95 Prozent ausschließen.“

Stummeyer ist Jäger, ein moderner Vertreter seiner Zunft, wie er betont. Einer, der mehr will, als nur auf die Pirsch zu gehen. Seit 30 Jahren ist er in der Jägerschaft aktiv, auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Er nimmt Hege und Pflege ernst. Naturschutz und Wildtierforschung sind für ihn wesentliche Elemente des Jägerlebens. „Es gibt einen Wandel in der Natur“, sagt er, „den muss man beobachten und fördern. Dazu ist der Jäger am besten geeignet, er ist schließlich ständig vor Ort.“ Aber er müsse die Natur auch schützen, etwa gegen Neulinge wie die Nilgans, die mit ihrem aggressiven Verhalten heimische Arten verdrängt. Der Wolf aber gehöre nicht in diese Kategorie, schließlich sei er früher schon hier heimisch gewesen. „Für mich gehört der Wolf hierher“, sagt Stummeyer.

Die Sorgen einiger Zunftgenossen über den tierischen Konkurrenten teilt er nicht. Schließlich reiße der Wolf meist erkrankte Tiere - eigentlich eine der Kernaufgaben der Jäger, die für einen gesunden Bestand sorgen sollen. Der Wolf aber erkennt solche Erkrankungen lange vor dem Waidmann. Stummeyer: „Er hilft uns also dabei, weil er das viel besser mitkriegt als wir.“

Stummeyer ist als ehrenamtlicher Wolfsberater in seiner Freizeit fast ständig unterwegs. Er wird zu Informationsveranstaltungen eingeladen, sogar bundesweit. Er geht in Schulen. Er ringt ständig um einen sachlichen Umgang mit dem Thema. „Ich würde mir wünschen, den Wolf etwas nüchterner zu betrachten“, sagt er. Also ohne romantisch verklärte Natursehnsucht, aber auch ohne überzogene Ängste.

Der Wolfsexperte berät auch Weidetierhalter, wie sie sich besser schützen können, etwa durch die Bildung von Koppelgemeinschaften. Aber er sieht auch die Probleme durch flächendeckende Einzäunungen, die eben nicht nur Wölfe fernhalten, sondern etwa auch die Rehe zur Nahrungssuche in die Wälder verbannen, zum Schaden der Holzwirtschaft.

Axel Priebs, der Umweltdezernent der Region, hält es noch für fraglich, ob der Wolf hier dauerhaft sesshaft werden wird. „Man muss abwarten, ob er überhaupt geeignete Flächen finden wird“, sagt er. Stummeyer dagegen ist ziemlich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Wolf auch in der Region Hannover sicher Fuß gefasst hat. Noch ist es aber nicht so weit. Und die meisten vermeintlichen Wolfssichtungen, die er und seine Kollegen ebenfalls begutachten, entpuppen sich wie die Risse der Weidetiere als Fehlalarme, in der Regel wolfsähnliche Hunde.

Stummeyers Clou bei seinen Vorträgen ist ein kleines Quiz: Die Teilnehmer sollen unter sechs Fotos die Aufnahmen von Wölfen herausfinden. Die meisten scheitern. „Es gibt mittlerweile fast eine Industrie, die wolfsähnliche Hunde wie den Saarloos-Wolfshund heranzüchtet“, sagt er, „ein Boom, der den Golden Retriever längst abgelöst hat.“ Und wohl auch eine - eher fragwürdige - Folge der Wolfsbegeisterung.


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