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Die Gelben Säcke in der Region Hannover sollen mit einem Bändchen verschlossen werden – das kann für Vögel und Katzen ein tödliches Ende haben. Foto: Behrens

Tierschutz

Der Sack und sein Killerbändchen

Der „Gelbe Sack“ kann ein Killer sein, genauer: das blassrote Bändchen am unteren Ende, mit dem der Abfallsack für Leichtverpackungen (Symbol „Grüner Punkt“) ebenso wie der für Altpapier verschlossen werden soll. Das zumindest fürchten Tierschützer – und die Tiermedizin gibt ihnen recht.

Hannover. Das Pikante daran: Dieser Sack müsste so nicht sein. So, wie er hier in der Region Hannover auftaucht, ist er eher die große Ausnahme (siehe unten).

Norbert Kummerfeld (65) ist Direktor an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Er kennt das Bändchen-Risiko: Tauben wickeln sich das scharfkantige Band um die Beine, schnüren sich die Zehen ab, Störche oder Raben verwechseln es mit einem Wurm, das führt zu inneren Verletzungen. Gefährdet sind auch Meerschweinchen, besonders offenbar Katzen, die das flatterhafte Bändchen „fast süchtigerweise aufnehmen, es mit Gras verwechseln, das sie zur Magenreinigung fressen.“ Im Darm angelangt, verletzt das Band auch die Schleimhaut, „und dann ist die Prognose für die Katze ziemlich schlecht“, erklärt Tierklinik-Chef Kummerfeld. Von solchen Fällen höre er „relativ oft“ – sein Appell: „Es ist sinnvoll, das abzustellen, das wäre eine vernünftige Idee, damit würde ein Risikofaktor für viele Tiere ausgeschaltet.“

Der Naturschutzbund (NABU) bestätigt das tödliche Risiko durch das Bändchen. Das Problem sei aber nur aus dem Raum Hannover bekannt, anderswo würden etwa solche Gelben Säcke mit Bändchen offenbar nicht verwendet. NABU-Niedersachsen-Sprecher Ulrich Thüre: „Diese Verschlussbändchen werden meist auch nicht genutzt oder fallen ab. Sie liegen dann im Gras, und Vögel verheddern sich mit den Krallen darin, reißen sich Gliedmaßen ab.“ Daher sei „unsere Forderung klar: Andere Säcke würden das Problem lösen – das sollte sich die Region Hannover zu Herzen nehmen!“

Auch politische Kreise haben das Problem des Killer-bändchens erkannt: Der „Arbeitskreis Tierschutz“ der SPD im Bezirk Hannover schildert es in einem Brief an die Entsorger Aha (Stadt) und Remondis (Umland), schildert Verletzungen, Schmerzen, den qualvollen Tod der betroffenen Tiere und fordert, dass „schnellstmöglich andere Verschlussmethoden“ eingesetzt werden, „damit die Plastik-Verschlussbänder nicht länger Leid und Tod in der Tierwelt verursachen“.

Ralph Hübner

Das sagen die Entsorger

Der Gelbe Sack des Dualen Systems Deutschland (DSD/Grüner Punkt) in der jetzigen Größe und Form existiert in Hannover seit 1993. In der Stadt verteilt und entsorgt ihn Aha, im Umland seit Jahresbeginn der größte private Entsorger Deutschlands, Remondis.

Von Remondis heißt es: Wir würden gerne den andernorts üblichen Sack (mit eingezogenem Zugband am oberen Ende) benutzen – doch der fasst standardmäßig 90 Liter, den dürfen wir hier nicht einsetzen, weil dem DSD hier 50 Liter vorgegeben sind. Es sei keine andere deutsche Kommune bekannt, wo Säcke dieser Größe und mit Bändchen benutzt würden.

Aha sagt, die Sackgröße sei politisch gewollt, man müsse darauf achten, dass das eingehalten werde. Außerdem würden Säcke mit Verschlussbändern „in vielen Großstädten“ verwendet. Solche mit Zugband seien aufwendiger zu produzieren, funktionierten nicht zuverlässig. Das Risiko für Tiere hält Aha derzeit für nicht sehr hoch: Solche Bänder fänden sich „lediglich in vernachlässigbaren Größenordnungen“ auf den Straßen wieder. rahü


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