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Meine Stadt Hannover: „Der Klimawandel ist spürbar“
Hannover Meine Stadt Hannover: „Der Klimawandel ist spürbar“
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00:17 05.02.2018
Wasserwald: Die heftigen Regenfälle haben ihre Spuren in der Eilenriede hinterlassen. Gerd Garnatz kennt die Stellen.   Quelle: Foto: Polreich
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Hannover

 „Sturm Friederike hat im Januar heftig gewütet in Niedersachsen und war von den Windgeschwindigkeiten teils kräftiger unterwegs, als Orkantief Xavier im Herbst“, erklärt der ehemalige Förster und langjährige Eilenriedekenner beim Gang durchs Unterholz. Vor ihm liegen mehrere Nadelbäume am Boden. Die frischen Bruchstellen zeigen: Hier war Friederike am Werk. „Jetzt wurden vor allem Nadelbäume wie Fichten umgepustet – ihre Nadeln bieten dem Wind eine bessere Angriffsfläche, als ein kahler Laubbaum“, so Garnatz. Da Eilenriede aber zu 85 Prozent aus Laubbäumen besteht, fielen die Sturmschäden unter „Xavier“ im Oktober heftiger aus. Damals trugen die Bäume noch Laub.

Mit den Aufräumarbeiten von Xavier waren die Mitarbeiter der Stadtforst übrigens noch beschäftigt, als Friederike über das Land hereinbrach. Man hinke mit den üblichen Arbeiten deshalb stark hinterher: Statt der winterlichen Holzernte, die üblicherweise bis März zu erfolgen hat, müssen die Stadtförster diese Zeit nutzen, um die „Verkehrssicherheit“ im Stadtwald herzustellen: Windschiefe Bäume oder lose Stämme fällen oder zersägen.

Muss die Angst im Stadtwald mitspazieren? „Mittlerweile sind die Wege geräumt und Gefahrenquellen entlang der Wege weitestgehend beseitigt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix auf NP-Nachfrage. Im Wald bewege man sich aber immer ein Stück weit auf „eigene Gefahr“.

Und in Zukunft? Muss man vermehrt Stürme befürchten? Garnatz: „Der Klimawandel ist auch im Wald spürbar, die winterliche Ruhephase der Bäume wird kürzer. Dazu kommen höhere Niederschläge und messbar stärkere Windbewegungen“, so der Waldexperte. „Dass jetzt zwei heftige Stürme so nah beieinander wüteten ist ungewöhnlich – man sollte aber nicht gleich eine Tendenz ausmachen.“

Eilenriede wird zum Feuchtgebiet

Der Besuch im Stadtwald wird zunehmend zum Gang ins Feuchtgebiet: Die Stellen mit Staunässe haben sichtbar zugenommen. Kein Wunder: Es regnete im vergangenen Jahr im Raum Hannover deutlich mehr als sonst, und auch im Januar kam fast das Doppelte der üblichen Durchschnittsmenge vom Himmel. Ein Problem für Hannovers Stadtwald?

„Die Eilenriede ist von Natur aus ein nasser Wald“, erklärt Gerd Garnatz vom Eilenriedebeirat. „Der Name sagt es“, erklärt er. „Eilenriede komm von Ellernriet, was so viel wie feuchter Erlenwald heißt. Früher war die Eilenriede viel nasser als heute. Im Frühjahr steht sie aber immer wieder unter Wasser.“

Trotzdem ist auch Garnatz von den Wassermassen beeindruckt. Der ehemalige Förster war ab Mitte der 1980er-Jahre für die Eilenriede zuständig: „Im Tiergarten haben wir teilweise Zustände, wie ich sie noch nie gesehen habe.“ Den Sturz von einigen Bäumen, besonders von flach wurzelnden Fichten, durch Friederike habe der feuchte Boden wahrscheinlich begünstigt.

Die Nässe sei für den Baumbestand aber generell kein Problem: „Unsere Baumarten vertragen es, mehrere Wochen im Wasser zu stehen. Ein halbes Jahr nasse Füße wird schon eher zum Problem.“
Von einer „Trockenlegung“ des Stadtwalds will Garnatz nichts wissen. Anwohner hätten ihm erneut gebeten, für Abfluss zu sorgen, da sie feuchte Keller befürchten. „Da besteht aber kein Zusammenhang. Wenn die jetzt nassen Flächen wieder trockenfallen, bleiben maximal 1,8 Prozent des Walds feucht. Dort erhalten wir den früher für die Eilenriede charakteristischen feuchten Eichenhainbuchenwald.“

Von Simon Polreich

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