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Meine Stadt Der Fall Hanebuth: Jetzt spricht sein Anwalt
Hannover Meine Stadt Der Fall Hanebuth: Jetzt spricht sein Anwalt
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00:16 11.08.2013
IN HANDSCHELLEN: Ende Juli wurde Frank Hanebuth im Zuge der Operation „Casablanca“ auf Mallorca festgenommen. Seitdem sitzt er in U-Haft. Quelle: Montserrat T Diez
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Hannover

Die Festnahme kam für den 49-Jährigen völlig überraschend. Er war mit seiner Lebenspartnerin und seinem Sohn auf der Insel, möglicherweise, um für den Jungen dort eine Schule zu suchen. In den zurückliegenden zwei Jahren sei Hanebuth laut Beyer etwa sechsmal auf Mallorca gewesen. Er machte Urlaub, keine Geschäfte. Hanebuth wollte sich aber eine Ferienwohnung einrichten.

Herr Beyer, seit knapp zwei Wochen sitzt Frank Hanebuth auf Mallorca im Gefängnis. Ist ein Ende der Untersuchungshaft absehbar?

Da zunächst die Ergebnisse der Durchsuchungen vorliegen, wahrscheinlich übersetzt und ausgewertet werden müssen, ist ein Ende der Untersuchungshaft noch nicht absehbar.

Besteht die Möglichkeit einer Haftbeschwerde? Oder gibt es bereits einen Haftprüfungstermin?

Auch das spanische Strafprozessrecht sieht derartige Möglichkeiten vor. Aus Sicht der Verteidiger ist es allerdings vor Sichtung der Ermittlungsakten und der Durchsuchungsergebnisse nicht zielführend, eine Haftbeschwerde oder einen Haftprüfungstermin zu beantragen. Zunächst muss im Übrigen die Ermittlungsakte zur Einsichtnahme durch die Verteidiger überhaupt erst freigegeben werden.

Was berichtet Hanebuth über den Alltag in Haft?

Herr Hanebuth sitzt in einer Einzelzelle. Er darf mit vorher namentlich benannten Personen, beispielsweise seiner Lebensgefährtin, telefonieren. Von Familienangehörigen kann er besucht werden. Er wird ganz normal behandelt. Von einer Auseinandersetzung in der Justizvollzugsanstalt, so wie es in dieser Woche in den Medien berichtet wurde, ist mir auch weiterhin nichts bekannt.

Die spanische Polizei legt Hanebuth Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last. Der Chefermittler, Diego Cazalla, hat am vergangenen Wochenende in der Presse verbreitet, Hanebuth habe ein kriminelles Netzwerk auf Mallorca installiert. Was sagen Sie dazu?

Ein Polizist schwingt sich nach meinem Dafürhalten unberechtigt in den Richterstuhl. Auch auf Mallorca herrscht Gewaltenteilung. Hinsichtlich eines kriminellen Netzwerks in Zusammenhang mit Herrn Hanebuth fehlt meines Erachtens jeglicher Beweis. Die angeblichen Beweise mögen den Verteidigern vorgelegt werden. Pauschale Vorverurteilungen sind aus meiner Sicht vollkommen unangebracht, werden aber natürlich gern von einigen Medien verarbeitet. Auch für Herrn Hanebuth gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Vertraute von Hanebuth berichten, dass er die vergangenen zwei Jahre sehr häufig auf Mallorca gewesen sei. Zu welchen Zwecken?

Nach meinem Kenntnisstand war Herr Hanebuth lediglich fünf- bis sechsmal auf Mallorca - längstens drei Wochen am Stück, meistens aber nur wenige Tage beziehungsweise nur am Wochenende. Dies waren regelmäßig Urlaubsreisen.

Was ist dran an Berichten, dass Hanebuth vorgehabt habe, seinen Wohnsitz nach Mallorca zu verlegen?

Er plante, eine Ferienwohnung für sich einzurichten. Weiter gehende Planungen hat es nach meinem Kenntnisstand weder kurz- noch mittelfristig gegeben.

Angeblich sei er im Juli mit seiner Lebensgefährtin und seinem zwölfjährigen Sohn auf die Insel geflogen, um für den Jungen dort eine deutsche Schule zu suchen?

Es war im Gespräch, sich rein informatorisch auf der Insel umzuschauen. Es gab allerdings keine Planungen, den Wohnsitz in absehbarer Zeit nach Mallorca zu verlegen.

Die Razzia auf der Finca, bei der Hanebuth festgenommen wurde, hört sich an wie eine 1:1-Kopie der Polizeiaktion mit Einsatz der GSG 9 im Mai 2012 in seinem Haus in der Wedemark: Beide Male fielen Spezialeinheiten nachts bei ihm ein, landeten Hubschrauber im Garten, wurde ein Hund erschossen, und in beiden Fällen musste sein Sohn alles mitansehen. Was hat Hanebuth Ihnen über die Parallelen berichtet?

Über Parallelen habe ich mit Herrn Hanebuth nicht gesprochen. Aus meiner Sicht macht das zweite Mal das erste Mal nicht besser. Es wird wie ein Déjà-vu gewesen sein.

Die Vorwürfe, die seinerzeit zu der Razzia in Deutschland geführt hatten, haben sich inzwischen in Luft aufgelöst. Wie wird es nach Ihrer Einschätzung auf Mallorca ausgehen?

Herr Hanebuth bestreitet die ihm gegenüber bislang nur nebulös erhobenen Vorwürfe energisch und hat mir glaubhaft versichert, dass er mit derartigen Dingen nichts zu tun hat. Daher gehe ich davon aus, dass das Verfahren in Spanien genauso ausgehen wird wie in Deutschland.

Mit Ihnen und dem mallorquinischen Strafrechtler José Fortaleza stehen Hanebuth in Palma zwei Anwälte zur Seite. Nun wurde zusätzlich eine Kanzlei in Madrid beauftragt, seine Interessen wahrzunehmen. Warum?

Für dieses Verfahren sind die Staatsanwaltschaft und das Gericht in Madrid zuständig. Sämtliche Akten befinden sich auch in Madrid. Entsprechend brauchen wir vor Ort in Madrid den versierten Kollegen, insbesondere wegen seiner Erfahrungen mit der dortigen Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Gericht.

Hanebuth wird der Vorwurf gemacht, eine kriminelle Vereinigung gebildet und zudem diverse Straftaten vorbereitet zu haben - von Zuhälterei und Geldwäsche ist da zum Beispiel die Rede. Nach Medienberichten drohen ihm bis zu 23 Jahre Haft. Wie realistisch ist so ein Strafmaß im Falle einer Verurteilung überhaupt?

Hierbei handelt es sich um die Mutmaßung einer einzelnen Person. Es ist müßig, sich zum derzeitigen Zeitpunkt überhaupt Gedanken über eine Verurteilung geschweige denn ein mögliches Strafmaß zu machen.

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