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Legale Strecken

Der Deister baut auf Mountainbiker

Zwei legale Mountainbike-Strecken sollen voraussichtlich nach den Ferien eingeweiht werden - und einen Schlussstrich unter einenjahrelangen Krieg im Deister ziehen. Das Projekt findet bundesweit Beachtung und bringt Chancen für Tourismus und lokale Wirtschaft.

Barsinghausen. Irgendwann hatten sie den Krieg im Wald satt. Die Nagelbretter, die spitzen Pfähle, die gespannten Drähte. Böse Fallen, die die Mountainbiker daran hindern sollten, im Deister ihrem Hobby nachzugehen.

Und auch Frank Nüsser hatte es irgendwann satt. Der Revierförster und sein Team haben die Fallen nicht gebaut. Er verurteilt das scharf. „Körperverletzung“ nennt Nüsser das. Allerdings haben die Mitarbeiter der Revierförsterei lange versucht, die im Landschaftsschutzgebiet wild wuchernden Sprungschanzen zu zerstören. Aber ohne dauerhaften Erfolg. „Da kamen wir nicht gegen an. Das hat nur viel Geld gekostet“, sagt Nüsser.

2009 fanden die Gegner von einst an einen Tisch, um dem Katz-und Maus-Spiel ohne Gewinner ein Ende zu machen. Das, was sich seitdem getan hat, findet bundesweit Beachtung. Zwei ganz offiziell genehmigte Mountainbikestrecken im Deister stehen kurz vor ihrer Einweihung. Voraussichtlich nach den Sommerferien soll es so weit sein. Sie sollen das unter einen Hut bringen, was lange unvereinbar schien: den Naturschutz und die Bedürfnisse der Mountainbiker, für die der Deister weit und breit das Trainingsrevier Nummer eins ist.

Die Hürden bis zur behördlichen Genehmigung waren hoch. Die Biker mussten einen Verein gründen, die Deisterfreunde. Der hat mittlerweile eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen und die beiden Strecken von den Landesforsten gepachtet. Jeder einzelne Sprung ist von den Behörden genau dokumentiert. Schilder weisen auf Gefahren hin und fordern das Tragen einer Schutzausrüstung ein.

Das klingt viel zu spießig für Mountainbiker, die für viele immer noch die wilden Jungs aus dem Wald sind. Tatsächlich jedoch ziehen fast alle mit - zumindest im Revier von Förster Frank Nüsser. „Im Moment läuft es sehr positiv. Es wird uns nie gelingen, auch den letzten Mountainbiker zu kanalisieren, aber die Situation hat sich deutlich verbessert“, berichtet er.

Auch die Biker loben die gute Zusammenarbeit mit der Revierförsterei Georgsplatz. „Wir stimmen uns sehr eng ab. Das läuft absolut unkompliziert“, sagt Steffen Hammel, der Chef-Streckenbauer der Deisterfreunde.

Weit über 100 Mitglieder hat der Verein bereits - und es werden immer mehr. „Es gibt auch eine ganze Reihe von Spendern, die gar nicht im Verein sind“, erzählt Oliver Reich, der zweite Vorsitzende des Vereins. Er betont auch die touristischen Chancen, die das Mountainbiken für Deister und Umgebung mit sich bringt. „Das ist hier die einzige Möglichkeit, wo man - nun vor allem auch legal - vernünftig diesen Sport ausüben kann. Die Leute kommen zum Teil über das Wochenende aus Hamburg oder auch von noch weiter weg“, berichtet Reich.

Ein Trend, den Angelika Plinke bestätigt. Sie betreibt die Gaststätte am Annaturm, wo eine der legalen Strecken beginnt. „Die Mountainbiker machen oft schon 70 Prozent des Geschäftes aus“, sagt sie. Bereits vor einigen Jahren hatte die Region die Zahl der Mountainbiker an Wochenenden im Deister auf 1000 geschätzt. Seitdem werden es deutlich mehr geworden sein.

So viele, dass sich das Fahrradgeschäft „Bike-Infection“ in Barsinghausen fast komplett darauf spezialisiert hat. „Wir sind seit vier Jahren am Markt. Aber schon nach einem Jahr sind wir auf Mountainbikes umgeschwenkt“, erzählt Chefin Diana Gaus. Auch sie bestätigt, dass „viele Sportler von weiter her kommen“.

Das bringt Chancen für Tourismus und lokale Wirtschaft. Aber auch Probleme. Denn während sich in dem zu den Landesforsten gehörenden Revier Georgsplatz durch die legalen Strecken die Situation merklich verbessert hat, sollen die Konflikte zwischen Mountainbikern und privaten Waldbesitzern sogar zugenommen haben. „Es ist klar, dass die beiden Strecken nicht ausreichen“, sagt Joachim Hansmann, Sprecher der Landesforsten, denen nur rund ein Drittel des Deisters gehört.

Er hofft jedoch, „dass sich auch die anderen bewegen werden“, wenn sich das legale Streckenprojekt weiter bewähren sollte. Eines jedenfalls sei sicher: „Der Deister wird eine Hochburg für Mountainbiker bleiben.“


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