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Krankheiten

Den winzigen Killern auf der Spur

Jeder hat sie - Keime gehören zum Menschen. „Verirren“ sich die Keime aber in Wunden oder während Operationen auf künstliche Gelenke, kann es übel werden, wie ein Rentner aus Hannover schmerzhaft erlebte. Im schlimmsten Fall sind die Keime gegen Antiobiotika resistent.

Hannover. Eigentlich würde Wolfgang A. (Name geändert) in diesen Spätsommertagen seine nächsten Wanderungen planen, vielleicht mal wieder einen Marathon laufen. Auf jeden Fall bei Wind und Wetter unterwegs sein, natürlich zu Fuß. Natürlich anspruchsvolle Wege, muntere Touren, in denen man auch mal größere Schritte macht und die Beine hochzieht. „Man will ja gesund bleiben“, erzählt der drahtige 74-Jährige aus der Oststadt. Stattdessen liegt A. abwechselnd im eigenen oder im Klinikbett. Oder er sitzt im Rollstuhl, ein Gang auf Krücken fällt noch schwer. „Das zermürbt“, sagt der Mann jetzt.

Es war kein Unfall, der den sportlichen Rentner zum bettlägerigen Kranken gemacht hat. Es war ein winzig kleines, mit dem bloßen Auge nicht sichtbares Teufelszeug, das sich in seinen Körper einschlich. Keime, zugezogen möglicherweise während einer Hüftoperation in einem kleineren hannoverschen Krankenhaus im November 2011. Nicht einen, gleich drei verschiedene Krankheitserreger fanden die Mediziner der MHH ab Sommer 2014 nach und nach in seiner rechten Hüftpfanne. Zum Glück keine multiresistenten (MRE), aber Erreger, die nicht in den Körper gehören - schon gar nicht dort.

Zwei künstliche Hüften hat der frühere Werkmeister in der Metallindustrie. Die rechte erhielt er im besagten Herbst 2011, die linke im März 2012. Danach konnte der jugendlich wirkende Rentner super laufen - bis sich im Sommer 2014 der rechte Oberschenkel unnatürlich verdickte und Schmerzen auftraten. Die Blutsenkungswerte alarmierten den Hausarzt, eine Ärzteodyssee begann. „Ich war beim Kardiologen, Urologen, Orthopäden und anderen Ärzten“, erst ein Internist zog eine Verbindung zwischen der drei Jahre zurückliegenden OP und dem entzündeten Oberschenkel des Hannoveraners.

Der Internist schickte ihn gleich in die MHH, die über viel bessere Diagnostikmöglichkeiten verfügt. „Hätten die nichts gefunden, hätte sich die Hüfte noch stärker entzündet, und dann wäre das rechte Bein wohl weg gewesen“, sagt A. Er hat bereits den dritten Spacer erhalten, einen antibiotikahaltigen Platzhalter aus Zement. Das Teil blieb drei Tage in der Gelenkpfanne und sollte den Keimen den Garaus machen - und war natürlich immer mit einer Operation verbunden. „Bevor nicht alle Keime restlos weg sind, brauche ich gar nicht erst an ein neues Hüftgelenk zu denken“, so A.

In die Klinik gehen - das heißt doch eigentlich: erst krank sein und dann mit Hilfe der Mediziner gesund werden. Das dachte auch A., der die beiden Hüftoperationen als sehr fachmännisch gemacht in Erinnerung hat: „Der operierende Orthopäde war wirklich sehr gut.“ Doch A. hatte die Rechnung ohne die Krankheitserreger gemacht, die überall lauern - insbesondere auf künstlichen Implantaten oder chirurgischen Werkzeugen. „Heute ist mir vieles klarer, durch meine weiteren OPs und Klinikaufenthalte habe ich von vielen Fällen gehört oder sie persönlich kennengelernt“, sagt er.

Das geht nicht nur dem Hannoveraner so. Rund 400 000 bis 600 000 Krankenhausinfektionen gibt es jährlich nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts in Deutschland, daran sterben 10 000 bis 15 000 Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht gar von jährlich bis zu 40 000 Todesfällen aus. Ein Drittel der Krankenhausinfektionen wäre nach Meinung von Experten bei konsequenter Hygiene vermeidbar.

Und so ist es kein Wunder, dass fast zwei Drittel der Deutschen (65 Prozent) Angst haben, sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit einem multiresistenten Keim anzustecken - so eine repräsentative Online-Umfrage des Frankfurter Instituts Toluna im Auftrag der Asklepios-Kliniken. Knapp die Hälfte der Teilnehmer (49 Prozent) fürchtet demnach Behandlungsfehler, gut ein Drittel (35) hält es für möglich, dass das Operationsbesteck verunreinigt ist.


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