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Meine Stadt Verunglückter Radfahrer am Deisterkreisel: Angehörige setzen Zeichen
Hannover Meine Stadt Verunglückter Radfahrer am Deisterkreisel: Angehörige setzen Zeichen
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00:18 07.10.2018
mahnUng in WEISS: Ein Ghostbike steht an der Stelle am Deisterkreisel in Linden, wo vor fünf Wochen Wolfgang Klausener tödlich verunglückte. Es wurde dort gestern bei einer Kundgebung angebracht. Quelle: Foto:
Hannover

Trotz Megafon ist Gerd Reincke kaum zu verstehen. Im Sekundentakt brettern tonnenschwere Lastwagen, röhrende Motorräder und unzählige Autos an ihm vorbei. Doch Reincke redet konsequent weiter. Seit Jahren kämpft er für bessere Bedingungen für Radfahrer in Hannover – im Dienst des ADFC.

Vor rund fünf Wochen verunglückte dort, wo er gestern redet, der 64-jährige Wolfgang Klausner am Deisterkreisel. Bis heute ist ungeklärt, ob er bei Rot oder Grün gefahren ist. Die Polizei sucht noch immer nach Zeugen. Einig sind sich die rund 40 Teilnehmer der Kundgebung jedoch alle: „Die Ampelschaltungen sollten angepasst werden.“ Das fordert auch Reincke in seiner Ansprache, bevor sich die Masse in Bewegung setzt.

Es ist 17.45 Uhr. Feierabendverkehr am Deisterkreisel. Die Polizei sperrt nach und nach die Zufahrten zum Kreisverkehr ab. Ganz vorne schiebt eine junge Frau das sogenannte Ghostbike. Es ist nicht das erste in Hannover. An dem Rad angebracht sind zwei einlaminierte DIN-A-4-Blätter. Eines versehen mit einem Nachruf, auf dem anderen steht nur: „Hier wurde Wolfgang Klausner von einem Auto getroffen. Er verstarb 24 Stunden später an seinen Verletzungen.“ Unter den Teilnehmern sind auch Wolfgang Klausners Mutter Maria sowie seine Schwester Rachela. Beide kämpfen immer wieder mit den Tränen, sie können noch immer nicht fassen, dass ihr Sohn und Bruder aus dem Leben gerissen wurde. „Er war ein besonnener, vorsichtiger Fahrer“, sagt auch seine Freundin Iris Campe. Auch wenn die Schuldfrage vielleicht immer ungeklärt bleibt, ist es den Angehörigen wichtig, ein Zeichen zu setzen.

Viele der Teilnehmer kannten Wolfgang Klausner zwar nicht, berichten aber alle, dass sie ähnliche Situationen beinahe täglich erleben. „Gerade heute Morgen hat mir ein Auto beim Rechtsabbiegen wieder die Vorfahrt genommen. Man muss für die Autofahrer mitdenken, sonst landet man unter dem Wagen“, sagt ein Teilnehmer.

ADFC-Mann Reincke fordert in seiner Ansprache die Stadt Hannover zum Handeln auf: „Die Vision Zero muss endlich umgesetzt werden. Es muss endlich ein Verkehrssystem her, das für den Schutz der einzelnen Verkehrsteilnehmer sorgen kann.“ Es könne nicht sein, dass ein Einzelner ausschließlich selbst dafür verantwortlich gemacht wird.

Von Timo Gilgen

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