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Der Angeklagte Detlev G. (2.v.l.) sitzt in Dresden zum Prozessauftakt im Landgericht.© dpa

Gruselmord-Prozess

"Dein Braten steht bereit"

Vor dem Landgericht Dresden hat Freitag der Prozess um den Tod des Unternehmers Wojciech S. (59) aus Hannover begonnen. Angeklagt ist der Polizist Detlev G. (56) - beide sollen sich zu dem Tötungsdelikt verabredet haben.

Dresden/Hannover. In dem bizarren Fall wird dem Beamten des sächsischen Landeskriminalamts (LKA) vorgeworfen, den Kommunalpolitiker aus Vahrenheide am 4. November 2013 in einer Pension in Reichenau im Gimmlitztal (Sachsen) ermordet, zerstückelt und die Leichenteile im Garten seines Anwesens vergraben zu haben.

Der 56-Jährige bestreitet das Verbrechen. Über seinen Anwalt Endrik Wilhelm ließ er erklären, S. habe sich durch erhängen selbst getötet. "Mein Mandant ist kein Mörder", so der Verteidiger.

Der Saal N.105 im Landgericht Dresden: Kurz nach 9 Uhr wurde der Angeklagte von Justizwachtmeistern vorgeführt. G. stand minutenlang im Blitzlichtgewitter - zahlreiche Medienvertreter aus ganz Deutschland waren gekommen, um vom Auftakt im spektakulären Gruselmord-Prozess zu berichten. Der Polizist nahm den Presseaufmarsch gelassen hin, lächelte gespielt cool in die Objektive.

Die Fakten: Am 2. Oktober 2013 hatten S. und G. zum ersten Mal im Kannibalenforum  "Zambian Meat"  Kontakt miteinander aufgenommen. Zwei Menschen, die sich offenbar gesucht und gefunden hatten - und scheinbar das Gleiche wollten: S. hatte den Wunsch, getötet, geschlachtet und jemandem aufgegessen zu werden, der Angeklagte war bereit, diese perversen Phantasien in die Tat umzusetzen.

Am 4. November 2013 fuhr der Hannoveraner nach Dresden, ließ sich von G. am Bahnhof abholen. Per SMS teilte er dem Angeklagten nach seiner Ankunft mit: "Dein Braten steht bereit."

Beide begaben sich in die Pension im Gimmlitztal, die der Polizist nebenberuflich als Pächter betrieb. Am Nachmittag fesselte er im SM-Studio im Keller des Hauses den Kommunalpolitiker mit dessen Einverständnis. Er "verklebte dessen Mundbereich mit Klebeband um den gesamten Kopf und legte ein an einem Haken eines elektrischen Flaschenzuges befindliches Seil um dessen Hals", so Oberstaatsanwalt Andreas Feron. Dann zog der 56-Jährige zu. Dabei soll er den Hannoveraner laut Anklage erdrosselt haben.

Wenig später begann der Beamte, S. zu zerstückeln. Zunächst schnitt er ihm mit einem 20 Zentimeter langen Messer die Genitalien ab, dann schlitzte er dem Hannoveraner den Bauch auf. Mit einer Elektrosäge zerteilte er den Körper in mehrere größere Teile. Diese zerlegte er dann weiter. Die "Schlachtung" filmte G.

Auf dem Band ist zu sehen, dass der 56-Jährige beim Zerstückeln der Leiche zunächst nur mit einer Unterhose bekleidet ist. Im Verlauf der Tat legte er den Slip ab und manipulierte mit seinen blutigen Händen an seinem Geschlechtsteil. Oberstaatsanwalt Feron wirft dem Polizisten Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs vor.

Verteidiger Wilhelm, der den LKA-Mann gemeinsam mit der Mannheimer Strafrechtlerin Brigitte Bertsch vertritt, zeigte Verständnis dafür, dass die Öffentlichkeit "mit Abscheu" auf das Geschehen reagiert. Staatsanwaltschaft und Gericht hielt er vor, deshalb voreingenommen gegenüber seinem Mandanten zu sein. Der habe Angst, dass ihm kein faires Verfahren zuteil werde. Wilhelm forderte, in dem bizarren Fall nicht nur die Rolle des 56-Jährigen zu beleuchten, sondern auch das Handeln des Hannoveraners detailliert zu betrachten: "Dann wir man sehen, wer die treibende Kraft."

Von Britta Mahrholz

Mehr über den Prozess in der Sonnabend-Ausgabe der NP.


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