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Meine Stadt Das perfekte Testament: Präzise, kurz und knapp
Hannover Meine Stadt Das perfekte Testament: Präzise, kurz und knapp
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00:18 28.09.2018
GUT GESICHERT: Nadine Michaelis schließt den Tresor auf, in dem zahlreiche Testamente liegen. Quelle: Foto: Wilde
Hannover

Wie verfasse ich mein privates Testament richtig? Ganz einfach, sagt Aletta Eichenauer, die Abteilungsleiterin des Nachlassgerichts in Hannover, und nennt die „Faustformel“ für die optimale Gestaltung des letzten Willens: „So präzise, kurz und knapp wie möglich. Zunächst ein, zwei Erben benennen, anschließend einzelne Gegenstände verteilen. Handschriftlich mit Datum und Unterschrift. Fertig.“

„Auch private Testamente sollten am besten beim Amtsgericht hinterlegt werden“, erklärt die Rechtspflegerin. Das koste einmalig 75 Euro; dazu käme eine Gebühr von 15 bis 18 Euro für den obligatorischen Eintrag beim zentralen Testamentsregister in Berlin.

Am Volgersweg lagert der letzte Wille von vielen tausend Menschen. Das älteste Testament datiert aus dem Jahr 1934. Die amtlichen Schriftstücke liegen in einem begehbaren Tresor mit 33 Zentimeter dicker Stahltür. Angefertigt laut metallenem Markenschild von Bode‘s Geldschrankfabrik aus Hannover, einem „Hoflieferanten“ und zugleich „Spezial-Fabrik für Panzerkassen und Tresorbau“.

Info: Erbschaft

Immer mehr Menschen lehnen Erbschaften ab, meistens wegen Schulden des Verstorbenen, die ebenfalls weitergereicht werden. Dafür haftet der Erbe mit seinem Privatvermögen, also nicht nur mit dem Geld, das er erbt. Erben haben sechs Wochen lang Zeit, den Nachlass abzulehnen. Dies muss schriftlich beim Nachlassgericht erfolgen. Man kann immer nur das komplette Erbe annehmen oder ablehnen – sich nur die lohnenswerten Objekte herauszupicken ist nicht zulässig. Wer sich nicht sicher ist, kann auch einen Nachlassverwalter damit beauftragen, das Erbe zu sichten. Dieser bezahlt dann zunächst alle Schulden des Verstorbenen mit dessen Vermögen – bleibt noch Geld übrig, fließt es an den Erben. Allerdings kostet der Nachlassverwalter Geld.

Gibt es kein Testament, dann gilt laut Eichenauer die gesetzliche Erbfolge. Beispiel: Ein Ehemann stirbt und hinterlässt Ehefrau und zwei Kinder. Dann erbt die Frau 50 Prozent und jedes Kind 25 Prozent.

Grundsätzlich seien zunächst stets die Ehepartner und die Kinder erbberechtigt, gefolgt von Eltern, Geschwistern, Geschwisterkindern, Großeltern und so weiter.

Solange Ehepartner und/oder Kinder leben würden, hätten andere Verwandte keinen Anspruch auf einen Erbteil, erklärt die Abteilungsleiterin. Und verweist schließlich auf einen Spezialfall: „Bei kinderlosen Ehepartnern wird der überlebende Ehegatte nach gesetzlicher Erbfolge nur dann Alleinerbe, wenn keine Eltern, Geschwister, Abkömmlinge von Geschwistern oder Großeltern vorhanden sind.“

Generell gelte aber: „Jedes Testament muss beim Amtsgericht eröffnet werden, um es für den Rechtsverkehr gültig zu machen.“

Von Andreas Körlin

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