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Meine Stadt Hannover: Das große Ladensterben
Hannover Meine Stadt Hannover: Das große Ladensterben
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22:31 29.12.2017
MIETVERTRAG ENDET : Nico Lina an der Knochenhauerstraße.  Quelle: Florian Petrow
Hannover

 „Ich habe keine Lust, die gefühlte 37. Mieterhöhung mitzumachen. Lieber gehe ich in Rente oder eröffne einen online-Shop.“ Nicole Voß steht heute zum letzten Mal in ihrem Kindermodegeschäft „Nico Lina“ und packt Kisten. Nach 23 Jahren macht sie ihr Geschäft in der Altstadt dicht.

Das wird der vorläufig letzte Auszug an der Knochenhauerstraße sein. Als erste hatten die „Liebhabereien“, das Fachgeschäft für Korsetts, Toys, Fetisch- und Clubwear, die von Fachwerkhäusern gesäumte Verbindung zwischen Marktkirche und Marstall verlassen. Auf der gegenüberliegende Straßenseite klebt ein Siegel an der Eingangstür von „9 Monate rund – na und“. Im Internet findet sich der Hinweis „dauerhaft geschlossen“. Das „Café Kränzchen“ mit den Stühlen an der Fassade steht leer. Im Café „Glücksmoment“ an der Kreuzung Schuhstraße stapeln sich Tische und Stühle zwischen Umzugskisten.

„Liebhabereien“ ist umgezogen zur Osterstraße 3. Mieterhöhungen und die Dauerbaustelle Marstall hatten dem Team die Lust am alten Standort genommen. „Sogar Stammkunden wussten gar nicht mehr, wo sie parken sollten“, bestätigt Nicole Voß Dauerprobleme. „Eine Familie wollte von auswärts zu mir kommen und ist mit dem schreienden Kleinkind im Auto dann umgedreht.“

„Ich habe hier jedes Jahr zwischen 20 000 und 30 000 Euro Minus gemacht, die Konstellation hier haut irgendwie nicht hin,“ hatte sich auch „Café Kränzchen“-Chef Frank Ekkenga beschwert. Liebend gern wäre er mit seinem Angebot ins Erdgeschoss des Leibnizhauses in der Altstadt gezogen. Hat nicht geklappt.

„Die Lage Knochenhauerstraße wird für Einzelhändler unpopulär“, weiß Bernd Voorhamme vom Einzelhandelsverband Hannover. Touristen, die ohne Vorbereitung auf die Stadt anreisten, hätten von der Altstadt vielfach nichts gehört und gelesen. Sie besuchten dann die Marktkirche („Die sieht man von Weitem“), eventuell noch die Kramerstraße mit dem Broyhanhaus – aber das wär’s.

Voorhamme fordert ein vernünftiges Konzept und eine bessere Beschilderung.“ Schon am Bahnhof müsste ein Hinweis auf die Altstadt zu finden sein.“ Die vielen Fachwerkhäuser und die kleinen inhabergeführten Läden ragten aus dem sonst üblichen Angebot einer Großstadt heraus; „damit muss man werben!“

An die Vermieter appelliert der Einzelhandelskenner, Abstand zu nehmen von Preissteigerungen, damit die Straße nicht noch mehr verwaise. Dass ein Geschäft wie „Nico Lina“ mit einer bei Altstadt-Events so engagierten Chefin nach 23 Jahren schließe, tue weh. „Und es kratzt auch am Image.“

Von Vera König

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