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Archäologe Friedhelm Wulf klebt den Ofen mit seinen Kollegen wieder zusammen. Ganz erhalten ist dieser aber wohl nicht. Foto: Dröse

Archäologie

Das Kachelofen-Puzzle vom Leineufer

Fingerspitzengefühl ist gefragt: Aus mehreren Hundert Teilen versuchen die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege derzeit, einen historischen Kachelofen zusammenzubauen. Einen von zehn, den Archäologen 2015 bei Grabungen auf der früheren Leineinsel gefunden haben, deren letzter Rest – eine Mauer am Wasser – im vergangenen Jahr neu aufgebaut werden musste, weil sie in den Fluss zu stürzen drohte.

Hannover. „Dieser Ofen ist besonders kunstvoll gearbeitet“, sagt Friedhelm Wulf, der für Hannover zuständige Bezirksarchäologe am Landesamt. Das Puzzle, das er mit seinen Kollegen wieder zusammenkleben will, stammt wohl von etwa 1750. Den ältesten Ofen, den die Experten am Leineufer auf dem Grundstück der früheren Ernst-August-Straße 1 gefunden haben, datieren sie sogar zurück bis ins 16. Jahrhundert. Ein Beleg dafür, dass dort über Jahrhunderte eine wohlhabende Familie gelebt haben muss. „Gehobenes Bürgertum oder Adel“, vermutet Wulf. So etwas habe sich nicht jeder leisten können.

War der Ofen außer Mode gekommen oder unbrauchbar geworden, zerschlug die Familie diesen offenbar in kleine Teile, kippte diese in eine Grube und stellte in ihrem Haus einen neuen, moderneren Ofen auf.
Für die Archäologen Funde mit viel Aussagekraft. „Wir versuchen, den Ofen so weit wie möglich zusammenzubekommen. Ganz wird das aber wohl nicht gelingen, weil ein paar wichtige Teile zu fehlen scheinen“, sagt Wulf.
Die hochwertigen Blaumalereien mit vielen chinesisch angehauchten Motiven sollen dann von Kunsthistorikern begutachtet werden. Die sogenannte Chinoiserie war eine Richtung der europäischen Kunst, die besonders im 18. Jahrhundert populär war.

Auf diesem Wege wollen die Experten mehr über die Herkunft des qualitätsvollen Exemplares erfahren. Gut möglich, dass sich sogar der Künstler selbst ermitteln lässt, der die Motive gemalt hat. Die Zahl derer, die solch hochwertige Arbeiten beherrschten, muss überschaubar gewesen sein. „Wenn wir den Herstellungsort kennen, könnten wir Rückschlüsse auf die Handelsbeziehungen des damaligen Hannovers ziehen“, erklärt Archäologe Wulf.

Die zehn Kachelöfen, die bei den Grabungen am Hohen Ufer gefunden wurden, waren allerdings nicht die einzigen spektakulären Funde. Wegen des feuchten Untergrundes blieben zum Beispiel Hölzer der Uferbefestigung erhalten. Ihr Alter ließ sich mit einem speziellen Verfahren exakt auf das Jahr 1484 datieren. Außerdem wiesen die Archäologen Metall und Leder verarbeitendes Gewerbe auf der früheren Leineinsel nach.

Christian Bohnenkamp


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