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Meine Stadt Das Herz für Leibniz entfachen!
Hannover Meine Stadt Das Herz für Leibniz entfachen!
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18:23 14.12.2017
KEKS ODER GENIUS – DAS IST FÜR IHN KEINE FRAGE: Rainer Künnecke, Leibniz-Darsteller mit Leib und Seele. Rechts am Bildrand: Leibniz-Herleitung des Dualen Zahlensystems. Quelle: Foto: Hübner
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HANNOVER

Könnte Leibniz für Hannover sein, was Luther für Wittenberg oder Mozart für Salzburg sind – Aushängeschild, Imageträger, Werbefigur und Geschäftsgrundlage? Da gehen die Meinungen auseinander – und werden vor allem Zweifel geäußert (NP berichtete). Die NP sprach darüber mit Rainer Künnecke (59), Schauspieler und seit Jahren Leibniz-Darsteller bei allerlei Anlässen – er weist die Skeptiker in die Schranken.

Das Universalgenie Leibniz für Stadtimage und -werbung zu nutzen, sei schwierig, sagen
Marketing-Experten
; man glaubt, er ist eher was für Kenner und Gelehrte, nicht so fürs Volk geeignet …

Zu kompliziert? Da kann ich nur grinsen, und zwar bitter! Ich gebe den Leibniz seit 16 Jahren bei Stadtführungen und anderswo, bringe ihn sogar Kindergartenkindern nahe - amüsant, unterhaltsam, lehr- und geistreich! Leibniz ist für mich eine Figur, die ein Riesenpotenzial hat. Leibniz kann zu allem etwas sagen, ich finde den spannend. Seine Philosophie, seine Mathematik – das regt zum Nachdenken an. Und wenn man die Leute in die Zeit von Leibniz entführt, dann folgen sie auch.

Man weiß wenig über sein Privatleben, es fehlen – zwischenmenschliche - Geschichten und Geschichtchen, die aufwühlen, reizen, Gefühle wecken …

Leibniz hat halt ganz in und mit der Wissenschaft gelebt. Er war zwar von Frauen begeistert – weil sie ihm und seinem Denken aufgeschlossener waren als Männer; die hatten nur ihre Machtspiele im Sinne. Die Frauen dagegen waren offen für seine Gedanken. Sexuell war er wohl nicht interessiert, vertrat die Ansicht: Liebe verwirrt den Geist! Immerhin entwickelte er Ratschläge, was man tun könne, um eine dauerhaft glückliche Ehe zu führen. Etwa indem man sich nicht dem anderen anpasst, sondern sein eigenes Denken, seine eigenen Meinungen behält und sich gegenseitig in den Unterschieden und in der Individualität akzeptiert. Ich habe auch keine Lust, aus ihm einen Casanova zu machen, denn das war er einfach auch nicht.

Und wie verbinden Sie den Geist von vor 300 Jahren mit dem Heute?

Seine Ideen zu vermitteln ist nicht so schwierig – das tue ich ja. Sein Zahlensystem, die Rechenmaschine, das Konzept für die Wasserkunst in Herrenhausen, sein horizontales Windrad, seine Erfindungen für den Bergbau, das geht doch anschaulich. Und ohne das von ihm erdachte Binäre System mit Nullen und Einsen etwa sind die heutigen Computer und Handys nicht denkbar. Lebte Leibniz heute, er hätte gewiss für jede Wissenschaft einen eigenen Blog im Internet aufgesetzt. Auch so etwas wie Google hätte ihn interessiert – Algorithmen waren ja sein Thema! E-Mail, Whats-App, Facebook oder andere Kommunikationsnetze? Klar, er hat ja selbst mit mehr als 1100 Menschen korrespondiert, hat etwa 20 000 Briefe geschrieben. Damals – im Zeitalter der Boten und Postkutschen!

Warum ist Leibniz dann als Keks in aller Munde aber als Aushängeschild für Hannover ein recht blasser Geist?

Die Stadt hat noch nicht ihr Herz für Leibniz entdeckt und schon gar nicht entfacht! Da habe ich etwa fürs Jubiläumsjahr 2016 meine Dienste als Leibniz-Darsteller und -Botschafter angeboten – und dabei ging es mir nicht nur ums Geld! – und wurde fast überhaupt nicht eingebunden, der Tourismuschef und die Uni waren nicht sonderlich interessiert. Da geht es mir wie Leibniz selbst – der hatte zu seinen Zeiten auch einen schweren Stand in Hannover. Ich kann damit leben, doch das zeigt mir das Desinteresse von Stadtverwaltung und Stadtmarketing. Der lebendige Leibniz, das ist doch cool! Da muss ich gar nicht der einzige Darsteller sein. Und ein Café im Leibnizhaus, das wäre natürlich super!

Ist von Leibniz noch Spannendes, Neues zu erwarten?

Ja, mit Sicherheit! Ich zum Beispiel habe mir überlegt, demnächst mal seine Memoiren zu schreiben ...

Schlaglichter auf den Genius

Wer war dieser Gottfried Wilhelm Leibniz, der als das letzte Universalgenie der Menschheit gilt, also als jemand, der in allen Wissensgebieten seiner Zeit Zuhause war, sich damit auskannte, befasste, forschte? Hier ein paar Schlaglichter auf den Menschen, der 1646 in Leipzig geboren wurde und von 1676 bis zu seinem Tod 1716 in Hannover lebte und wirkte – und dessen Ideen, Erfindungen und darauf beruhenden „Selbstverständlichkeiten“ uns 300 Jahre nach seinem Ableben täglich begegnen.

Er hat sich das Duale Zahlensystem (auch: Binärsystem) ausgedacht – das Rechnen mit Nullen und Einsen, die in einer Reihe markieren, welcher Wert dahinterstehen soll (2, 4, 8, 16, 32, 64, usw.) – jeder Computer, jedes Handy und alle elektronischen Schaltungen artverwandter Produkte beruhen darauf, rechnen mit Strom an (Eins) und Strom aus (Null) und führen dann die so von Programmen vorgegeben Befehle (wiederum Binär codiert) aus.

Er entwickelte eine Rechenmaschine, die als technisches Wunderwerk seiner Zeit gilt – zu seinen Lebzeiten wurde wohl kein wirklich voll funktionsfähiges Exemplar gebaut (da fehlte es den Handwerkern, die das umsetzen sollte, schlicht an entsprechenden Möglichkeiten, etwa geeignetem Werkzeug). Inzwischen wurden Exemplare nachgebaut – und beweisen: Die Maschine beherrscht die vier Grundrechenarten (daher hieß sie auch Vier-Spezies-Rechenmaschine)

Er war auch als Ingenieur tätig, etwa für den Bergbau im Harz, entwarf ein Konzept für die Wasserkunst im Großen Garten Herrenhausen, entwickelte verschieden Arten Windmühlen.

Er wurde vom Herrscherhaus in Hannover beauftragt, die Chronik der Welfen zusammenzustellen (wurde von ihm nicht zu Ende gebracht), er war hier als Hofrat und Bibliothekar berufen worden.

Er hatte Briefkontakt zu mehr als 1100 Menschen – darunter alle bedeutenden Gelehrten – in Europa und darüber hinaus, etwa 18 000 seiner Briefe sind erhalten, sie wurden von der Unesco 2007 zum Weltdokumentenerbe ernannt. Sein Nachlass umfasst mehr als 200 000 Notizen.

Sein Grab ist in der Neustädter Hof- und Stadtkirche (Hannover-Calenberger Neustadt).

Von RALPH HÜBNER

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