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Meine Stadt Das Bratwurst-Glöckle: Hannovers Kult-Imbiss wird 70
Hannover Meine Stadt Das Bratwurst-Glöckle: Hannovers Kult-Imbiss wird 70
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00:17 01.01.2018
DAS BRATWURST-GLÖCKLE HEUTE: Auch wenn der Wetterschutz gegenüber früher verbessert wurde, ist die Imbissbude bei Kälte und Regen eher etwas für Hartgesottene.  Quelle: Fotos: Behrens
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Hannover

Kanzler Gerhard Schröder war da, Christian Wulff, sogar Ernst August Prinz von Hannover samt Prinzessin Caroline von Monaco, die sogar ihre Autogramme in einer Wurstpappe hinterließen. Es gibt Fans, für die gehört das Bratwurst-Glöckle an der Georgstraße zu Hannover wie die Herrenhäuser Gärten. Am 1. Januar wird die Imbiss-Institution 70 Jahre alt.

Neujahr 1948: Hannover gleicht knapp drei Jahre nach Kriegsende in weiten Teilen noch einer Trümmerwüste. Die gebürtige Schlesierin Ruth Neumann und ihr Mann Walter, seines Zeichens Leberwurstmachermeister, eröffnen ihren Imbiss. Nur eine winzige Bude in Steintornähe. Die Kunden sind Arbeiter, die nach Feierabend auf eine Wurst vorbeikommen.

Auch wenn es Bratwurst-Glöckle heißt, seinen Ruf verdankt das Schnellrestaurant an der Georgstraße seiner Currywurst, insbesondere der dazu gehörenden Soße, noch heute nach Ruth Neumanns streng gehütetem Geheimrezept hergestellt. Der Münchner Autor Uwe Timm, der mit „Die Entdeckung der Currywurst“ den Klassiker literarisch rühmte, ist überzeugt, dass es beim Glöckle die beste Currywurst der Republik gibt.

Hannovers Kult-Imbiss, das Bratwurst-Glöckle, an der Georgstraße feiert sein 70-jähriges Bestehen.

Das mag Geschmacksache sein. Doch noch immer lebe das Geschäft zu 80 Prozent von Stammkunden, sagt Sherzad Hassan (37), der den Imbiss heute leitet. Doch ist der gebürtige Iraker dem Glöckle schon fast sein halbes Leben lang verbunden, seit er 2001 dort als Mitarbeiter angefangen hat.

Damals leiteten Neumanns Enkeltöchter das Familienunternehmen. Und obwohl Ruth Neumann 1987 zwei Millionen im Lotto gewonnen hatte, stand sie immer noch mit am Tresen. Sie starb 2006 im Alter von 87 Jahren. In diesem Jahr übernahm die Landschlachterei Gramann aus Pattensen den Traditionsbetrieb und alle Mitarbeiter. 2008 wurde der Pavillon umgebaut und erhielt einen besseren Wetterschutz.

Sherzad Hassan ist seit 2014 Chef der Bude. Er bewahrt die Tradition: „Ich habe das Gyros gleich durch Hähnchen ersetzt, das passt besser zu einem deutschen Imbiss“, sagt er. „Dönerbuden gibt es hier genug.“ Im Schnitt verkauft er 4000 Würste pro Woche, aber auch Vegetarier kommen auf einen Tofu-Burger vorbei.

Zum Jubiläum gibt es den Klassiker als „Kanzler-Platte“ zum Rabattpreis: Currywurst mit Pommes und Getränk für 3,50 Euro. Vor 70 Jahren kostete die Bratwurst noch 55 Pfennig.

Von Andreas Krasselt

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