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Meine Stadt Darum muss dieser Azubi mit 200 Euro auskommen
Hannover Meine Stadt Darum muss dieser Azubi mit 200 Euro auskommen
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00:22 09.03.2018
Nico und Vater Thomas Mintken haben Probleme mit dem Sozialamt. Quelle: Wilde
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Hannover

Nico Mintken (19) möchte gerne mit seiner Freundin (18) verreisen. Doch ihm fehlt das Geld. Der junge Mann arbeitet zwar rund um die Uhr. Aber er steckt sozusagen in einer Gerechtigkeitslücke.

Normalerweise würde der Azubi 500 bis 600 Euro verdienen. Bei der Diakovere lernt er den Beruf des Kaufmanns im Gesundheitswesen. Nico Mintgen leidet unter Spinaler Muskelathrophie (Muskelschwund). Die Agentur für Arbeit zahlt die Ausbildung im Zuge der Eingliederungshilfe. Der junge Mann lebt in einer vollstationären Einrichtung (Behandlungspflege). „Deshalb wird mein Azubi-Lohn heruntergerechnet“, erklärt Nico.

Handy ist Luxus

Er bekommt vom Sozialamt 110 Euro Taschengeld und 28 Euro Kindergeld. Als Azubi verdient er noch 111 Euro. Der Freibetrag für behinderte Menschen, die wie Nico eine Ausbildung machen, liegt bei 67 Euro. Das Sozialamt in Braunschweig sackt jeden Euro ein, der über diesem Betrag liegt. Im Fall von Nico sind das 44 Euro.

Die Stadt Braunschweig ist für Nico zuständig, weil er dort aufgewachsen ist und sein Vater dort noch wohnt. „Mein Sohn hat gut 200 Euro im Monat. Das kann nicht reichen“, sagt sein Vater Thomas Mintken (50). So müsse sein Sohn Zuzahlungen für Krankengymnastik und Medikamente zahlen. Thomas Mintken legt eine aktuelle Apotheken-Rechnung über 101,35 Euro vor. „Das habe ich gerade für Inhalation, Schmerz- und Abführmittel bezahlt“, erklärt der Vater. „Mein Handy wird von den Behörden als Luxus betrachtet“, sagt der Azubi. Doch wie sollte er um Hilfe rufen, wenn er mal liegenbleibe?

"Typisches Problem für behinderte Menschen"

Stefanie Jäkel, Sprecherin des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) bestätigt: „Das ist ein typisches Problem für behinderte Menschen.“ Zwar gebe es eine Reform des Teilhabegesetzes, aber der letzte Reformschnitt werde erst 2020 umgesetzt. Dann werde der Freibetrag auf 30.000 Euro hochgesetzt. „Es ist gut, dass das geschieht. Aber für viele behinderte Menschen kommt das zu spät.“

Derzeit kann Nico Mintken seine Freundin nicht mal zum Essen ausführen. Sein Vater unterstützt seinen Sohn. Aber Nico meint: „Ich will nicht immer auf Dich angewiesen sein.“

Thomas Nagel

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