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Meine Stadt Da dreht sich was: NP-Besuch im Windpark Niedernstöcken
Hannover Meine Stadt Da dreht sich was: NP-Besuch im Windpark Niedernstöcken
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00:23 15.08.2014
GUTE AUSSICHTEN: Bei klarer Sicht sind sogar Windparks vor Bremen zu sehen. Quelle: Florian Petrow
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Niedernstöcken

Es zieht. Sehr. Schon am Boden, gestern Morgen, im Neustädter Ortsteil Niedernstöcken. Die Gräser wiegen sich im Wind, auf einer nahegelegenen Wiese picken Hühner Futter auf.Der Wind interessiert sie nicht, was über ihnen geschieht sowieso nicht. 135,5 Meter höher, in einem von Windrädern des Windparks, der hier 2013 von der Klimaschutzagentur Hannover aufgebaut wurde, ist die steife Brise wichtig. Wenn es hier zieht, dann entsteht Energie. Erneuerbare, also gute Energie. Die Rotorenblätter brauchen den Wind, damit sie diese erzeugen können.

Foto: Florian Petrow

Damit das auch stets funktioniert, müssen die Anlangen regelmäßig gewartet werden. Deswegen stand gestern eins der Räder still. Der Arbeitsplatz in der Gondel ist ein besonderer. Nicht nur, weil man absolut schwindelfrei sein sollte. Eine Neigung zur Seekrankheit empfiehlt sich auch nicht. Denn: Oben wackelt es. Die Anlage schwingt im Wind, manche ältere, die nur aus Beton bestehen (hier Beton und Stahl) bewegen sich bis zu 1,50 Meter hin und her. Und noch etwas ist anders als bei vielen anderen Jobs: Toilettenpausen muss man sich gut überlegen. Denn oben gibt es keine. Wer muss, muss runter. In dieser modernen - die modernste in der Region - ist zwar ein Fahrstuhl eingebaut, und die Mitarbeiter müssen nicht mehr mühsam nach oben und unten klettern. Dafür dauert die Auffahrt in dem schmalen, sich ebenfalls im Wind wiegenden Fahrstuhl (zwei Personen, nichts für Klaustrophobiker) , der eher an einen Flaschenzug erinnert, auch mit An- und Abseilen und den letzten Metern Treppe auch mal eben zehn Minuten - pro Fahrt. Nichts für ungeduldige.

Alexander Jäger-Bloh, Geschäftsführer der Dezentralen Energie Anlagen Beteiligungs- und Verwaltungs-GmbH (deanBV), die für den Bau verantwortlich ist: „Die regelmäßige Wartung ist genauso wichtig wie beim Auto. Es gibt Verschleißteile, die ausgewechselt werden.“ Geprüft wird alle drei bis sechs Monate.

Die Energie, die hier in der modernsten Anlage der Region entsteht, wird neun Kilometer weit durch Neustadt geleitet, von dort weiterverteilt - abzüglich der vor Ort verbrauchten Energie. Die fünf Anlagen in Niedernstöcken können rein rechnerisch Strom für 13 000 Zwei-Personen-Haushalte produzieren. Das ein Windpark gebaut werden kann - das Rad, das gewartet wird, kostete mehr als fünf Millionen Euro - bedarf jahrelanger Vorbereitung. „Es muss eine Fülle von Gutachten erstellt werden. Zum Beispiel auch, ob sie Fledermäuse oder Vögel stören. Erst wenn diese Gutachten abgeschlossen sind, können die Planungen beginnen. Auch die dauern meist noch ein Jahr.“

Einer derer, die das Rad wartet, ist Herbert Germer, Ingenieur für Windkraftanlagen. „Es werden zum Beispiel Bremsen geprüft, ob noch alle Teile fest sind und so weiter.“ Bei dieser Wartung gab es keine besonderen Vorkommnisse. Solange der Wind also weht, wird aus Neustadt noch eine Menge Energie kommen.

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