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Bundesvorstand schlägt ihn vor

DGB-Chefökonom soll künftig Bezirk leiten

Einstimmig schlägt der DGB-Bundesvorstand Mehrdad Payandeh als Nachfolger für den DGB-Bezirksvorsitzenden Hartmut Tölle vor. Die Entscheidung fällt im Februar 2018.

Hannover. Ein Deutscher mit iranischen Wurzeln hat beste Chancen, neuer Chef des DGB-Bezirks Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt zu werden. Der DGB-Bundesvorstand hat Mehrdad Payandeh vorgeschlagen. Dere 56-Jährige ist derzeit Chefökonom des Gewerkschaftbundes.

Die Entscheidung wird getroffen auf der DGB-Bezirkskonferenz im Februar 2018. Payandeh soll Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Hartmut Tölle (64) werden, der aus Altersgründen nicht erneut kandidiert. Als stellvertretende Vorsitzende ist Susanne Wiedemeyer aus Sachsen-Anhalt vorgeschlagen, die dieses Amt seit Oktober 2016 innehat.

Auf Payandeh ist die Wahl in Abstimmung mit den Gewerkschaften der drei Bundesländer gefallen. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bringt viel Erfahrung in gewerkschaftlicher und politischer Arbeit ein. Seit 2010 leitet der Hannoveraner die Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik beim DGB-Bundesvorstand. In dieser Funktion hat er maßgeblich Konzepte mitgeprägt wie den DGB-Marschallplan für eine Investitionsoffensive in Europa oder das DGB-Steuerkonzept zur Entlastung unterer und mittlerer Einkommen bei gleichzeitiger Stärkung der öffentlichen Finanzen.

Payandeh nahm als Experte auch zu dem vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene „Fratzscher-Bericht“ zur Stärkung von Investitionen in Deutschland Stellung. seine Position: Für eine Steigerung öffentliche Investitionen seien höhere Steuern auf große Einkommen und Vermögen nötig. Die Schuldenbremse nennt er falsch. Durch sie würden öffentliche Investitionen verhindert.

Der Vater zweier Söhne (17 Jahre alt der groß, drei Monate sein kleiner Bruder) wurde in Abadan (Iran) in eine Gewerkschafterfamilie geboren. Nach Grund- und Orientierungsschule, Gymnasium und Abitur lebte er bis zur Flucht im Sommer 1985 im Iran und war dort politisch aktiv für Arbeitnehmerrechte.

Im August 1985 beantragte Payandeh in Deutschland Asyl; 1986 wurde er als politischer Flüchtling anerkannt. Sprachkursen in Bayern folgte eine Umschulung zum Datenverarbeitungs-Kaufmann. Nächster Beruf war der eines Lagerarbeiters bei Quelle in Nürnberg.

Von 1994 bis 2000 studierte der DGB-Chefökonom Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Hamburg, Bremen und Simferopol (Krim/Ukraine). 1997 schloss er als Diplom-Volkswirt, 2000 als Diplom-Ökonom sein Studium ab.

Payandeh ist seit 1988 Mitglied der SPD. 1990 trat er in die Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV, heute Verdi) ein. Seit 13 Jahren pendelt er zwischen seinem Wohnort Hannover und dem Arbeitsplatz in Berlin. Beschwerlich findet er das nicht, sagte er der NP. Aber künftig hat er dann doch mehr Zeit auch für den Nachwuchs.

Von Vera König


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