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Leben mit Schmerzen: Lars Kahlow greift bei Schmerzattacken zuerst zur Sauerstoffflasche. Bei stärkeren hilft nur die Fahrt in die Notaufnahme.

Leben mit Schmerzen: Lars Kahlow greift bei Schmerzattacken zuerst zur Sauerstoffflasche. Bei stärkeren hilft nur die Fahrt in die Notaufnahme.
 © Foto: von Ditfurth

Hannover

Cluster-Kopfschmerzen: Patient aus Burgwedel fühlt sich von Klinik im Stich gelassen

Es sind unvorstellbare Schmerzen im Kopf– bis zu 25 mal stärker als Migräne. Lars Kahlow aus Burgwedel leidet seit Jahren täglich darunter: Cluster-Kopfschmerzen. Wie es sich mit dem „glühenden Messer in der Schläfe“ lebt und welche Probleme er mit Notärzten hat, erzählte er NP-Redakteur Simon Polreich.

Hannover.  Es war der 17. März 2004, 6.30 Uhr morgens. Ein Tag, den Lars Kahlow (51) nie vergessen wird, ein Mo­ment, der sich buchstäblich in sein Gehirn eingebrannt hat: „Ich bin schreiend aus dem Schlaf aufgewacht, mit unvorstellbar höllischen Schmerzen.“ Schmerzen, die einfach nicht aufhörten, ihn zur Raserei trieben. „Ich habe irgendwann den Kopf auf den Boden ge­knallt“, berichtet er. Doch das half nicht. Seine damalige Freundin, selbst heftig ge­schockt von dem Anblick, musste einen Notarzt rufen, der ihn mit starken Schmerzmitteln „schlafen legte“, so Kahlow.

Seit diesem Tag leidet der Großburgwedeler an sogenannten Cluster-Kopfschmerzen, extremen Kopfschmerzen, mehrmals täglich: „Ein Gefühl, als ob dir jemand ein glühendes Messer in die Schläfe sticht und dreht – immer wieder.“ Das Kuriose: Vor dem Anfall hatte der gelernte OP- und Intensivpfleger nie Kopfschmerzen gehabt. Seit dem Anfall sind sie sein ständiger Begleiter. Einer Arbeit kann er nicht mehr nachgehen, hat einen Schwerstbehindertenausweis. Kein Disko- oder Kinobesuch ist mehr möglich, längere Autofahrten sind heikel. Mehrere Beziehungen gingen in die Brüche, weil seine Partnerinnen mit den Anfällen nicht klarkamen. „Ich schreie, laufe wie ein eingesperrter Tiger durch die Wohnung, zerreiße schon mal mehrere Frotteehandtücher“, schildert der Burgwedeler seine kaum er­träglichen Leiden, „bei meinem zweiten Anfall habe ich meinen Kopf durch eine Holztür ge­rammt – das sagen zumindest Freunde, die dabei waren. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern.“

Inzwischen gehört der 51-Jährige zu den chronischen Patienten, die der Schmerz bis zu achtmal am Tag heimsucht. Hoffnung auf Linderung hat er kaum noch: „Ich habe mittlerweile alle Krankenhäuser mit Cluster-Abteilungen in Deutschland besucht. Man sagte mir, ich sei austherapiert.“ Wenn er eine Attacke hat, versucht er sie zunächst zu Hause mit Sauerstoff in den Griff zu bekommen. Außerdem wurden ihm Elektroden in den Kopf eingesetzt, die den Schmerztransport zwischen Gehirn und Gesichtsnerv un­terbrechen sollen. Oft hilft aber selbst das nicht, dann muss er ins Krankenhaus und in eine kurze Vollnarkose ge­legt werden.

Jahrelang hat Kahlow sich bei solchen Notfällen im Klinikum Großburgwedel behandeln lassen, schließlich ist es für ihn das Krankenhaus um die Ecke. Doch damit war im vergangenen Jahr Schluss, erzählt der 51-Jährige. „Die Medikamente wurden umgestellt, und meine Behandlung in der Notaufnahme fand ab sofort nicht mehr statt“, berichtet Kahlow. Warum, wisse er auch nicht: „Die wollen mich einfach nicht mehr.“ Man habe ihn lange warten lassen – und dann am Ende doch weggeschickt, weil angeblich kein Platz mehr in der Notaufnahme war. Die Folge: Er muss in ein Krankenhaus in Laatzen. Das liegt allerdings etwa 20 Minuten entfernt, eine Wegstrecke, die mit extremen Kopfschmerzen eine Tortur darstellt

Wie er das alles erträgt? Kahlow zeigt auf seine Frau Gabriele, sie haben vor zwei Wochen geheiratet – trotz der Krankheit. „So jemanden muss man erst mal finden“, sagt Kahlow und nickt ernst. Sie begleitet ihn permanent, fährt ihn bei einem Anfall in die nächste freie Notaufnahme – bis nach Minden, wenn es sein muss.

„Wenn man ihn in einem Anfall so lange leiden lässt, könnte ich die Wände hochgehen“, sagt sie. Denn sie weiß auch: Je länger eine Kopfschmerzattacke dauert, desto länger braucht ihr Mann hinterher, um wieder aus dem Anfall herauszukommen, erzählt sie und schüttelt den Kopf: „Es gibt nichts Schlimmeres, als den Partner so leiden zu sehen und daran nichts ändern zu können.“

Von Simon Polreich


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