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Meine Stadt Chinesische Köche ausgebeutet: Trio vor Gericht
Hannover Meine Stadt Chinesische Köche ausgebeutet: Trio vor Gericht
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15:58 12.04.2010
Eine kriminelle Bande aus China steht in Hannover vor Gericht. Quelle: wallenwein
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Von Sigrun Stock

Hannover. Mit falschen Versprechen hat eine kriminelle Bande aus China jahrelang mindestens 100 Landsleute als Köche nach Deutschland gelockt. Die Gastarbeiter wurden an China-Restaurants zwischen München und Hamburg vermittelt. Doch dort verdienten sie nicht wie versprochen gutes Geld, sondern erhielten Knebelverträge und wurden ausgebeutet.

Seit Montag müssen sich die kriminellen Drahtzieher dieses Menschenshandels nun vor dem Landgericht Hannover verantworten. Angeklagt sind ein 47 Jahre alter Mann und seine 33-jährige Ehefrau, die mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank sitzt. Auch ein weiterer 38 Jahre alter Chinese muss sich verantworten. Die drei operierten zuletzt in Isernhagen bei Hannover, vorher betrieben sie ihr Geschäft von Leipzig aus.

„Lotusblüte“, „Peking Ente“, „Rosengarten“ - so klangvolle Namen hatten die Spezialitäten-Gaststätten überall in Deutschland, die sich die Gastarbeiter vermitteln ließen.

Die Köche, viele darunter eilig angelernt, schufteten unter anderem in Hamburg, Bremen, Fallingbostel, Walsrode, Oldenburg, Meppen, Münster, Ahlen, Düsseldorf, Krefeld, Gelsenkirchen, Paderborn, Darmstadt, Frankfurt/Main, Stuttgart, Schwetzingen, Mannheim, München, Schwerin, Berlin, Potsdam, Erfurt, Grimma - die Liste der betroffenen Restaurants will kein Ende nehmen.

Zwei Staatsanwälte verlesen die Anklageschrift im Wechsel, sie brauchen dafür weit über zwei Stunden. Die Anklage beschränkt sich auf 101 Fälle, doch das kriminelle Trio steht im Verdacht, insgesamt mehr als 1000 Chinesen für einen Hungerlohn nach Deutschland gelockt zu haben.

Die Betroffenen zahlten sogar eine Vermittlungsgebühr von bis zu 12 000 Euro an das Trio, hält Staatsanwalt Marcus Preusse den dreien vor. In der Regel hätten die Gastarbeiter für ihren Traum von einem besseren Leben in Deutschland einen Kredit aufnehmen müssen, sagte Preusse.

Mindestens zwei Millionen Euro soll das Trio mit seinem Menschenhandel verdient haben, hieß es im vergangenen August, als die Bande aufflog und über 1000 Beamte bei einer bundesweiten Razzia hunderte China-Restaurants durchsuchten. Dabei wurden auch die Geheimverträge beschlagnahmt, mit denen die Angeklagten operierten.

Denn die Schleuser schlossen mit den Gastarbeitern zwei Verträge ab: Einen offiziellen mit normalen tariflichen Arbeitsbedingungen, damit die Behörden den Köchen Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis erteilten - und einen inoffiziellen Geheimvertrag, der die tatsächlichen Verhältnisse regelte.

In Deutschland mussten die Männer ihre Pässe abgeben und für einen Monatslohn von 500 bis 900 Euro im Monat schuften, teilweise bis zu 90 Stunden in der Woche. Tariflich hätten ihnen 1800 bis 2000 Euro im Monat zugestanden. „Die Köche waren den Restaurant-Betreibern ausgeliefert. Das war moderner Sklavenhandel“, hatte ein LKA-Beamter die Situation im vergangenen Jahr beschrieben. Und die Männer sprachen in der Regel auch kein Deutsch, erläuterte Staatsanwalt Preusse.

Versprochen worden war den Chinesen, nach drei bis vier Jahren Arbeit in Deutschland als reiche Leute nach Hause zurück zu gehen. Nun sind zahlreiche von ihnen immerhin bereit, ihre Erlebnisse vor Gericht zu schildern.

Am Montag wurde zunächst nur die Anklage verlesen, am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Sollten die Angeklagten nicht zu einem Geständnis bereit sein, um den Prozess abzukürzen, wird mit einem langwierigen Verfahren gerechnet.

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