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Meine Stadt Chaoten wollten Polizeiwache stürmen
Hannover Meine Stadt Chaoten wollten Polizeiwache stürmen
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00:20 01.06.2015
Ausschreitungen vor dem Hauptbahnhof. Foto: Dillenberg
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Von Britta Mahrholz
Hannover. Freitagabend ist es bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt vor der Wache der Bundespolizeiinspektion Hannover am Hauptbahnhof zu Ausschreitungen gekommen. Ein schwarz vermummter Mob hat versucht, die Dienststelle zu stürmen, in der im vergangenen Jahr angeblich zwei Flüchtlinge (19, 19) von einem Beamten (39) misshandelt wurden. Vor knapp zwei Wochen waren die Vorwürfe bekannt geworden (NP berichtete). Unterdessen laufen die Ermittlungen gegen den 39-Jährigen weiter. Allerdings sind die beiden mutmaßlichen Folteropfer immer noch nicht auffindbar.

Die Demonstration hatte gestern zunächst friedlich begonnen. Von der Stadtbahnstation An der Strangriede (Nordstadt) über den Engelbosteler Damm zog der Protestzug mit rund 350 Teilnehmern in Richtung Innenstadt. Bis zur Wache der Landespolizei an der Herschelstraße war der Tross auf mehr als 600 Teilnehmer angewachsen – darunter auch die bekannte, gewaltbereite Klientel aus dem autonomen Lager. Das kam für die Polizei nicht überraschend: Ein massives Kräfteaufgebot begleitete den Marsch.

Vor der Herschelwache skandierten die Demonstranten „Zieht den Nazis die Uniformen aus“, „Bullenschweine raus“ oder „BRD, Bullenstaat – wir haben dich zum Kotzen satt“. Auch dort blieb es sonst ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm. Denn an der nächsten Station, der Bundespolizeiwache am Hauptbahnhof, rannte plötzlich ein schwarzer Mob von 150 bis 200 Chaoten auf das Gebäude zu, um es zu stürmen. Gleichzeitig flogen Flaschen und Farbbeutel gegen die Außenmauer und die gläserne Eingangstür. Außerdem wurden Feuerwerkskörper gezündet. „Ein Polizist wurde durch einen Flaschenwurf verletzt“, so Sprecherin Tanja Rißland. Die Einsatzkräfte verhinderten aber einen Sturm der Wache. Kurz darauf zog der Tross weiter durch den Bahnhofstunnel in Richtung Weißekreuzplatz, wo die Demo wenig später ohne weitere Zwischenfälle beendet wurde.

Im Zuge der Ermittlungen gegen den beschuldigten Bundespolizisten haben die Ermittler inzwischen die beiden Kollegen aus seiner Dienstgruppe vernommen, die mit ihrem Strafantrag gegen den 39-Jährigen den Stein ins Rollen gebracht hatten. Damit tritt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Klinge, Gerüchten entgegen, die Anzeigeerstatter hätten kalte Füße bekommen und seien nicht zu Vernehmungen erschienen. „Sie haben ausgesagt“, erklärte Klinge. Was, dazu macht er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.

Nach wie vor suchen die Ermittler aber die beiden Flüchtlinge. Der Afghane und der Marokkaner sind bislang nicht an den Wohnadressen aufgetaucht, wo sie gemeldet sind. Es gibt allerdings auch keine Anhaltspunkte, dass sie in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt sein könnten.

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