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Chaoten drohen Martin Kind im Zug mit dem Tod

Die Chaos-Fahrt des ICE von Nürnberg nach Hannover mit 250 polizeibekannten Fußball-Chaoten von 96 (NP berichtete) war offenbar viel schlimmer als bislang bekannt. Gegen 96-Boss Martin Kind, der an Bord des Zuges erster Klasse reiste, hat es sogar Todesdrohungen gegeben. Nicht etwa der Vereinspräsident selbst, sondern ein unbeteiligter Zeuge hat nun die Bundespolizei eingeschaltet. Und die leitete inzwischen ein Ermittlungsverfahren ein.

Hannover. Auf NP-Anfrage erklärte Kind, dass er im ICE zwar keine Angst gehabt habe, „es war aber nicht immer angenehm“. Mit der öffentlichen Bedrohung gewaltbereiter Krawallmacher hat die Konfrontation mit Kind allerdings eine neue Qualität erreicht.

Die Bundespolizeiinspektion Hannover, die nicht die Anwesenheit von Kind und Begleitern, sondern nur von „Vereinsfunktionären von Hannover 96“ bestätigt, hatte nach dem Vorfall am vergangenen Sonntag zunächst anonym die Mitteilung über Sprechgesänge mit Todesdrohungen im ICE erhalten. „Durch Ermittlungen konnte der mutmaßliche Tatzeuge aber ausfindig gemacht werden“, erklärt Sprecher Martin Ackert. Demnach sollen die Chaoten sich im Speisewagen, der auch verwüstet wurde, und in der ersten Klasse aufgehalten haben. Sie sollen Kind als „Bastard“, „Hurensohn“ und mit noch derberen Schimpfwörtern beleidigt haben. Außerdem seien im Speisewagen Gesänge angestimmt wurden. Inhalt: „Komm‘ raus, wir schlagen dich tot!“ und „Komm‘ raus, wir bringen dich um, du Drecksau!“

Kind erklärte gestern, den Inhalt nicht eindeutig verstanden zu haben – die Tür zwischen den Waggons sei ständig auf- und zugegangen. Er stellt auch klar: „Im Abteil hat es mir gegenüber keine Bedrohungen gegeben.“ Allerdings seien die Chaoten ständig vor seinem Sitz auf- und abgegangen.

Er kritisiert, dass der ICE total überfüllt war und das Zugpersonal sich nicht einmal während der gesamten Fahrt blicken ließ. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Schaffner aus Angst vor den Rowdys in ihrem Dienstabteil eingeschlossen haben. Von den Bahnbediensteten hätte der 96-Boss erwartet, dass sie für einen der nächsten Halte (nach Nürnberg kam Würzburg, dann Fulda, Kassel und Göttingen) die Bundespolizei verständigt hätten. Haben sie aber nicht. „Das war Chaos“, sagt Kind.

Die Krawallmacher, bei denen es sich zumeist um Ultras oder der Szene nahestehende Personen gehandelt haben soll, waren angeblich mit Fahrscheinen unterwegs, die es bei einem Discounter zu kaufen gab. Kind fuhr nicht bis nach Hannover durch, sondern stieg schon in Göttingen aus, weil er verabredet gewesen sei.

Unabhängig davon, ob er Anzeige wegen der Drohgesänge erstattet oder nicht, ist der Ball ins Rollen gebracht: „Bei Bedrohung handelt es sich um ein Offizialdelikt. Die Polizei muss ermitteln“, erklärt Ackert. „Die Ermittlungen stehen aber noch ganz am Anfang.“ Die Beamten bitten weitere Zeugen, sich unter Telefon 05 11/30 36  50 zu melden. Von Interesse ist auch ein Vorgang am Bahnhof in Kassel: Dort waren zwei Feuerlöscher aus dem ICE geworfen worden.

Der 96-Boss, der bislang eher selten mit dem Zug reiste („Ich wollte es mal ausprobieren“), wird wohl so schnell nicht wieder auf das öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Schließlich hatte der ICE wegen des Chaos am Bord auch noch tüchtig Verspätung: „Es hat länger gedauert als mit dem Auto.“

Britta Mahrholz


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