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GROSSE EHRE: Christiane Wiede (links) erhält das Bundesverdienstkreuz von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).

GROSSE EHRE: Christiane Wiede (links) erhält das Bundesverdienstkreuz von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).
© Frank Wilde

Violetta

Bundesverdienstkreuz für Frauenrechtlerin

Violetta-Vorsitzende Christiane Wiede ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Im NP-Interview sagt sie, wo es noch hapert mit der Gleichberechtigung.

hannover. 1988 gründete Christiane Wiede mit anderen Frauen den Verein „Violetta – gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und jungen Frauen“. Damals begann man gerade, das Thema zu enttabuisieren. heute redet man über sexuelle Gewalt gegen – und muss es leider auch. Für ihr ehrenamtlichen Engagement erhielt Wiede das Bundesverdienstkreuz am Bande, am Montag wurde es ihr von Sozialministerin Cornelia Rundt verliehen.

Frau Wiede, was hat sich seit 1988 für Mädchen und Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, geändert?

Das Beratungsangebot hat sich verändert, erweitert und konnte auf stabile Füße gestellt werden. Wir haben damals in Linden in einem kleinen Laden mit zwei ABM-Kräften und sehr unsicheren finanziellen Mitteln angefangen. Ich glaube, wir bekamen jährlich 20 000 D-Mark an Sachmitteln. Seitdem ist es uns gelungen, die Arbeit zu professionalisieren und das Angebot zu erweitern. Wir haben heute zum Beispiel Diagnostik, aber auch psychosoziale Prozessbegleitung und Online-Beratung, wir können mehr Mädchen und Frauen beraten. Und die Anerkennung in der Gesellschaft ist auch gestiegen.

Wie hoch sind staatlichen Zuwendungen aktuell?

Es sind etwa 400 000 Euro jährlich, die wir von Stadt, Region und Land bekommen. Damit können wir knapp die Hälfte der Personalkosten decken. Den Rest zahlen wir von Drittmitteln und Spenden.

Wir erleben zur Zeit die Diskussion um „#Metoo“, vor einigen Jahren war es „#aufschrei“, es geht um sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen Frauen. Hätten Sie 1988 gedacht, dass wir heutzutage noch darüber reden müssen?

Zu dem Zeitpunkt habe ich darüber nicht nachgedacht, was in 30 Jahren sein würde. Wir waren mit anderen, auch autonomen Organisationen wie Frauenhäusern, auf einer Welle, erstmals wurden diese Themen enttabuisiert. Im Verlauf der Jahre gab es auch Rückschläge. Es gab Gegenbewegungen, es hieß, alle Frauen, die mit dem Thema arbeiten würden, wären Betroffene oder männerfeindliche Feministinnen. Alles wurde in einen Topf geschmissen. Das hat uns eine Weile sehr beschäftigt, unsere Beratungsstelle musste vorübergehend geschlossen werden. Aber heute sind wir an einem Punkt, an dem wir solche Debatten offener führen können. Nicht offen. Aber nach „#aufschrei“ gab es immerhin eine Gesetzesänderung. „Nein heißt Nein“ ist jetzt gesetzlich verankert.

Wie frauenfreundlich ist eigentlich Hannover?

Ich würde mir wünschen, dass die Stadt offener wird. Also frauenfreundlicher, pflegefreundlicher, familienfreundlicher. Die Beteiligung von Frauen in der Politik, in Gremienbesetzungen müsste stärker werden. Frauen werden nach wie vor strukturell benachteiligt. Frauen sind zwar überall sichtbar, aber nicht in der Spitze. Auch in den Unternehmen wird das Thema in den Führungsetagen eher despektierlich behandelt. Selbst manche Frauen argumentieren, dass wir doch vieles überwunden hätten. Das ist aber nicht mein Eindruck.

www.violetta-hannover.de

Von petra rückerl


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