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Brandanschläge

Polizei setzt Ermittlergruppe in Barsinghausen ein

Entsetzen in Barsinghausen bei Hannover: Binnen weniger Tage brennen Autos und der Rohbau einer Flüchtlingseinrichtung. Der Gesamtschaden beträgt eine Viertelmillion Euro. Die Motive sind zwar noch unklar - doch ein schlimmer Verdacht drängt sich bereits auf.

Barsinghausen. Nach zwei Brandanschlägen innerhalb von nur wenigen Tagen in Barsinghausen bei Hannover hat die Polizei eine zehnköpfige Ermittlergruppe eingesetzt. Noch unklar ist bisher, ob die Aktionen fremdenfeindliche Motive hatten.

"Die Ermittlungen stehen erst ganz am Anfang", sagte Kathrin Söfker von der Staatsanwaltschaft am Donnerstag im Rathaus der 36 000-Einwohner-Stadt. Am Morgen waren dort vier Dienstwagen der Stadt in Flammen aufgegangen - drei brannten aus, ein vierter wurde beschädigt. Einer der Wagen stand vor der Fassade des Rathauses, das durch das Feuer beschädigt wurde.

"Ganz egal, aus welcher Richtung der Anschlag der vergangenen Nacht in Barsinghausen erfolgt ist, wir haben es hier mit gefährlicher Gewalt gegen unseren freien und demokratischen Rechtsstaat zu tun", teilte Innenminister Boris Pistorius (SPD) mit. Er hoffe, dass die Arbeit der Ermittlungsgruppe dazu führen wird, die Täter schnell zu ermitteln.

"Wir sind in Barsinghausen erschüttert darüber, das hat eine neue Qualität", sagte Bürgermeister Marc Lahmann (CDU), der den Brand auch als Anschlag auf die Stadt und ihre demokratischen Werte bezeichnete. Ob das Feuer mit einem Brandanschlag vom vergangenen Samstag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in der Stadt zusammenhängt, war zunächst unklar. Lahmann betonte jedoch: "Wir werden uns in Barsinghausen nicht von den Anschlägen beeindrucken lassen und uns als Stadt mit breiter Brust den Verbrechern entgegenstellen."

Der Polizeivizepräsident Thomas Rochell von der Polizeidirektion Hannover kündigte zudem eine verstärkte Präsenz der Sicherheitsbehörden an. Die Untersuchung der Fahrzeuge müsse ergeben, wie die Autos in Brand gesetzt wurden. Lahmann sprach von einer neuen Form krimineller Energie in der Stadt. "Das ist der zweite Brandanschlag, den wir innerhalb kürzester Zeit hatten", sagte er.

Am Mittwochabend hatten 1500 Menschen gegen den Brandanschlag auf den Rohbau eines Flüchtlingswohnheims demonstriert. In der Unterkunft sollten von Ende März an 48 Menschen leben. Nach Angaben des Bürgermeisters entstand ein Schaden von um die 100 000 Euro. Unklar ist noch, ob der Rohbau wegen der Beschädigungen wieder abgerissen werden muss. Rochell deutete an, dass es bei beiden Bränden unterschiedliche Vorgehensweisen gab. "Wir ermitteln in alle denkbaren Richtungen", sagte er. "Es gibt keine heiße Spur."

Bei dem Anschlag vor dem Rathaus entstand an den drei ausgebrannten Wagen ein Schaden von 100 000 Euro - den Schaden beim vierten schätzte Lahmann auf 60 000 Euro ein. Alle vier Wagen waren geleast. Im Rathaus selbst barsten Scheiben - durch die Rauchentwicklung konnten der EDV-Bereich und eine andere Abteilung vorübergehend nicht genutzt werden. Alle geplanten Veranstaltungen - darunter eine am Donnerstagabend zum Thema Flüchtlinge - sollten stattfinden. "Wir lassen uns nicht durch solche Taten einschüchtern", sagte Lahmann, der die vorherrschende Stimmung in der Stadt als ruhig und tolerant beschrieb. "Eigentlich kann man sagen, dass Barsinghausen sehr gut mit Flüchtlingen umgeht", sagte er.

Zwar habe es im Vorjahr mal einen Brand in einem Flüchtlingswohnheim gegeben, doch sei der von unzufriedenen Insassen selbst gelegt worden. Lahmann sprach aber von Ängsten gerade bei sozial schwächeren Gesellschaftsschichten vor einem Verdrängungswettbewerb auf dem Wohnungsmarkt. Der Bund sei hier gefordert, stärker in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. dpa


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