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Auch Irmgard Löffler ist von der Bombenräumung im Norden Hannovers betroffen.

Auch Irmgard Löffler ist von der Bombenräumung im Norden Hannovers betroffen.© Heusel

Evakuierung

Bombenräumung in Hannover: Pflegeheim betroffen

Auch die 106 Bewohner des Alten- und Pflegeheims Vahrenheide (Pflegewerk Hannover) an der Dunantstraße sind von der Bombenentschärfung betroffen. Bei vielen kommen dunkle Kriegserlebnisse hoch.

Hannover. „Ich habe die Bombenangriffe in Stettin mitgemacht. Das wurde zu 80 Prozent zerstört“, sagt Irmgard Löffler (83): „Daran erinnert mich das jetzt alles. Das ist kein schönes Gefühl.“ Bewohner Ernst-Friedrich Roesener (89) fallen die Bilder des zerbombten Hannover nach Kriegsende ein: „Mein Elternhaus war zerstört. In der ganzen Innenstadt, am Kröpcke und in den Straßen sah man überall nur Schutt- und Steinberge.“

Dass jetzt Jahrzehnte später immer noch Bomben aus dieser Zeit entschärft werden müssen, macht den 89-Jährigen nachdenklich: „Der Krieg hat Narben hinterlassen, die wir auch heute noch spüren. Fürchterlich, dass sowas mitten im Frieden gemacht werden muss.“

Gisela Völkel (81) erinnert sich an den alten Sahlkamp: „1949 waren hier überall riesengroße Bombentrichter. Da hat sich jeder einfach ein Stück von dem Gebiet für einen Garten genommen, ohne groß zu fragen.“ Ihre Familie, die im Januar 1945 aus Oberschlesien geflohen war, entschied sich für ein Grundstück an der Kugelfangtrift: „Da haben wir das Loch zugeschüttet und ein kleines Gartenhäuschen gebaut. Später nebenan auf einem Siedlungsgelände entstand dann auch unser richtiges Haus.“

Die drei Senioren verbringen die Evakuierungszeit an ganz unterschiedlichen Orten. Irmgard Löffler wird am Sonntag von ihrer Tochter nach Burgwedel abgeholt, wo genau an diesem Tag der Geburtstag des Schwiegersohns gefeiert wird: „So kann ich wenigstens auch was Schönes daraus machen.“ Ernst-Friedrich Roesener fährt zu seiner Ehefrau, die im Eilenriedestift wohnt: „Das gönne ich mir an dem Tag einfach mal.“ Und Gisela Voelkel kommt wie die meisten Bewohner in der Turnhalle der Adal-Lessing-Schule am Hintzehof in Bothfeld unter: „Ich geh da einfach mit der Gruppe mit - mitgehangen, mitgefangen“, meint die 81-Jährige lächelnd.

„Aufgeregt ist jetzt noch keiner unserer Bewohner“, sagt Heimleiterin Christiane Reisberg: „Aber das kommt vielleicht noch kurz vorher.“ Für die rund 40 Mitarbeiter des Heims gibt es Urlaubssperre, alle müssen am Sonntag Dienst schieben, vom Azubi bis zur Chefin: „Aber unsere Kollegen kennen das schon, das Haus musste vor vier Jahren schon einmal evakuiert werden.“

Auch Christa Dieterich (65) hat schon mehrfach Erfahrungen mit Bombenentschärfungen gemacht. Sie wohnt im ebenfalls betroffenen Katharina-von-Bora-Haus (Stephansstift) an der Wittenberger Straße in Vahrenheide: „Wir sind hier zweimal evakuiert worden, ich kenne das schon.“ Die 65-Jährige, die wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt, wird am Sonntag mit dem Taxi unterwegs sein: „Erst fahre ich in den Gottesdienst an die Brühlstraße, und dann besuche ich eine alte Freundin am Marstall. Die freut sich schon auf mich.“

Die meisten der 94 Heimbewohner kommen am Sonntag auf dem Stephansstiftgelände an der Kirchröder Straße in Kleefeld unter. „Unsere Mitarbeiter wissen genau, was sie dann tun müssen,“ sagt Heimleiter Torsten Juch. „Die haben das schon ein paarmal mitgemacht in den letzten Jahren.“ hg


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  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
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  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
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