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Meine Stadt Bombenräumung: Wer nicht gehen will, soll zahlen
Hannover Meine Stadt Bombenräumung: Wer nicht gehen will, soll zahlen
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16:27 17.06.2017
Wenn die Polizei zweimal klingelt: Die Beamten müssen an jeder Tür kontrollieren, ob alle ihre Wohnungen verlassen haben. Quelle: Elsner / NP
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Erst um 3.43 Uhr war die Bombe in Baden­stedt in der Nacht zu Freitag entschärft – und damit deutlich später als eigentlich nötig. Grund für die Verzögerung waren vor allem Pro­bleme bei der Evakuierung. „Es gab einige uneinsichtige Einwohnerinnen und Einwohner, die die Räumaktion nicht unwesentlich verzögert haben“, ärgerte sich der Leiter der Feuerwehr, Claus Lange.

Polizei und Feuerwehr mussten sogar mehrere Türen aufbrechen, um renitente Anwohner aus ihren Wohnungen herauszuholen. Die erhalten jetzt für diese Einsatzkosten eine Rechnung von voraussichtlich mehreren hundert Euro. Doch künftig könnte es noch viel teurer werden. Die Feuerwehr will jetzt zusammen mit Rat und Verwaltung über ein Bußgeld für Evakuierungsverweigerer nachdenken. Vorbild könnte Essen (NRW) sein: Hier drohen bis zu 1000 Euro.

CDU-Mann Seidel würde ein hohes Bußgeld für Evakuierungsverweigerer be­grüßen: „Das muss bis 5000 Euro raufgehen, damit jedem klar wird: Das wird teuer, tut richtig weh und schreckt ab.“ Auch der für Badenstedt zuständige Bezirksbürgermeister Rainer Göbel (SPD) ist dafür: „Das wäre eine Möglichkeit, die Leute zu disziplinieren.“ Zu­rückhaltender gibt sich der Ratsvorsitzende Thomas Hermann (SPD): „Ich weiß nicht, ob das was bringt. Wer sich so asozial verhält, der lässt sich auch nicht von ei­nem Bußgeld abschrecken.“ Zunächst müsse man prüfen, ob diese Maßnahme von den Bestimmungen her überhaupt möglich sei – und wie sinnvoll.

Rund 15 000 Menschen mussten wegen einer 250-Kilo-Fliegerbombe ihr Zuhause verlassen. Der Blindgänger war an der Kreuzung Am Soltekampe/Ecke Baden­stedter Straße bei Üstra-Bauarbeiten entdeckt worden. Der Evakuierungsradius betrug etwa einen Kilometer.

Aber auch andere Schwierigkeiten gab es in dieser Bombennacht. Ein Polizeihubschrauber, der mit Wärmebildkamera das Räumungsgebiet überfliegen sollte, konnte nicht zum Einsatz kommen. Erschreckender Grund: Ein 32-Jähriger hatte den Co-Piloten vom Boden aus am Marstall (Mitte) mit einem Laserpointer geblendet. Der Co-Pilot blieb zwar unverletzt, musste aber seine Arbeit abbrechen. „Der Tatverdächtige bestreitet, dass es eine vorsätzliche Handlung war“, sagte ein Polizeisprecher. Gegen den 32-Jährigen wird jetzt wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr ermittelt.

Probleme gab es auch beim Krankenwagen-Transport von Anwohnern zur Sammelstelle in der IGS Linden. Hier standen die Fahrzeuge sich wegen der beengten Anfahrtsituation teilweise gegenseitig im Weg, die Betroffenen mussten zum Teil lange warten. „Das sind Dinge, die wir künftig besser machen können“, sagte Feuerwehrsprecher Michael Hintz: „Etwa indem wir die Anfahrtswege zur Sammelstelle für den Individualverkehr früher und weiträumiger absperren.“

Allerdings sei im aktuellen Fall auch zu berücksichtigen, dass der Anteil der über 60-Jährigen in Baden­stedt mit 20 bis 25 Prozent besonders hoch sei und dass auch zwei Altenheime evakuiert werden mussten. 217 Anwohner mussten von den Einsatzkräften zur IGS transportiert werden. Insgesamt kamen rund 1800 Menschen in der Sammelstelle unter.

Erst um 3.13 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen – rund eine Stunde Verspätung. Die Bombenentschärfung selbst klappte dann problemlos. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst entfernte den Aufschlagzünder der Fliegerbombe – und konnte um 3.43 Uhr Entwarnung geben.

Von Harald Grube

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