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Meine Stadt Bluttat in Hannover: Jetzt spricht der Stiefvater von Holger B.
Hannover Meine Stadt Bluttat in Hannover: Jetzt spricht der Stiefvater von Holger B.
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13:27 09.07.2010
Vor der Columbus-Bar in Hannover liegen Blumen: Hier hat Holger B. zwei Italiener getötet.
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Hannover. Dienstagmorgen: Es ist etwa 3.30 Uhr, als es an der Tür des Ferienhauses von Paul E. (68) klingelt. Schlaftrunken öffnet er – vor ihm steht Stiefsohn Holger B. (42).

„Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich ihn sah“, erzählt der 68-Jährige. Er nimmt den Sohn seiner Lebensgefährtin Bärbel mit ins Haus. Da wusste E. bereits, was passiert war – er war von einem Bekannten aus Hannover informiert worden. Detailliert erzählt B. seinem fassungslosen Stiefvater von der Flucht. Nach den Schüssen auf die Italiener sei er einfach nur weggelaufen. „Als ich die Martinshörner hörte, geriet ich Panik“, berichtet ihm der 42-Jährige. Er habe an dem nächstbesten Haus geklingelt, solange, bis jemand öffnete. Dann sei er in einen leeren Kellerraum gelaufen und versteckte sich – gefühlte anderthalb Stunden.

Er besuchte danach einen Freund, zog sich um. Sein nächster Weg habe ihm zum Friseur geführt, der ihn rasierte. Im Anschluss besorgte er sich am Schwarzen Bären in Linden ein Flugticket nach Palma de Mallorca für 235 Euro, stieg dann in eine S-Bahn und fuhr zum Flughafen. „Dort will er gegen 13 Uhr angekommen sein. Die Zeit bis zum Abflug überbrückte er, indem er Alkohol trank“, berichtet Paul E.

Nachdem der Flieger auf Mallorca gelandet war, stieg B. ins Taxi. Er erinnerte sich nur noch an den Namen des Ortes, in dem sich sein Stiefvater – eine Frankfurter Rotlichtgröße von einst – aufhält: das knapp 35 Kilometer entfernte Lloret de Vistalegre. Die genaue Adresse wusste er nicht. So stieg erst einmal in einer Gaststätte ab. Dort trank er so lange, bis er rausflog.

Paul E.: „Dann geisterte er so lange durch den Ort, bis er das Haus fand.“ Zuletzt besuchte B. seinen Stiefvater in dem Haus von Freunden vor acht Jahren. Doch aus der Erinnerung heraus fand er sich in dem 1249-Seelen-Ort zurecht. Ruhig und besonnen hörte E. dem 42-Jährigen zu. „Mir war aber klar, dass er hier nicht bleiben konnte.“ Gemeinsam plante man den folgenden Tag: E. nahm Kontakt zu B.s Hausarzt in der List auf, lies sich eine Liste von Medikamenten, die der psychisch Kranke einnimmt, schicken. „In einer Apotheke besorgte ich, was ich ohne Rezept kriegen konnte. Seine größte Angst war nämlich, dass er seine Tabletten nicht bekommt.“

Dennoch wurde B. unruhig, sprach von einem „Flash“, den er bekommt. Er machte einen Spaziergang, kam aber nicht zurück. Sein Stiefvater suchte ihn, entdeckte ihn kauernd hinter einem Hühnerstall. „Ich hatte Befürchtungen, dass er durchdreht.“ Doch B. fing sich. Aber über die Tat sprach er kaum. „Er hat einfach nicht zusammenbekommen, was abgelaufen ist.“ Auf die Frage, wo er die Pistole her hatte, sagte B. nur: „Die habe ich vor ein paar Jahren gekauft.“

E. organisiert schließlich einen Anwalt – mit diesem treffen sie sich um 16 Uhr. „Es war meine Pflicht, ihm zu helfen.“ Eine Stunde später sind sie beim Haftrichter. „Was meinst du, wie lange kriege ich?“, fragte B. seinen Stiefvater noch. „Ich fürchte, rund um die Uhr …“

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