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SPURENSUCHE: Ermittler sichern Spuren nach der Mordtat in Visselhövede Anfang Januar

SPURENSUCHE: Ermittler sichern Spuren nach der Mordtat in Visselhövede Anfang Januar
 © dpa

GEWALTVERBRECHEN

Blutrache-Fall: Seelzer hat gestanden

Im Januar wurde ein Albaner in Visselhövede vom Motorrad aus angeschossen, wenig später starb er. Die Ermittler waren schnell sicher: Ein Akt der Blutrache! Während einer internationalen Razzia wurden mehrere Verdächtige gefasst – einer in Seelze, Region Hannover. Auch Drogen wurden gefunden.

HANNOVER/VERDEN.  Länderübergreifende Razzia und Festnahmen im so genannten Blutrache-Fall von Visselhövede: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verden sind bei der Aktion am Dienstag 24 Objekte in Deutschland, den Niederlanden und in Albanien durchsucht worden. Dabei wurden zunächst zwei Tatverdächtige festgenommen – einer in Seelze und einer in Amsterdam, beides Albaner. Letzterer musste am Mittwoch wieder freigelassen werden – dafür wurde am selben Tage dort laut Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft, ein anderer Landsmann als Tatverdächtiger gefasst.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen quer durch Europa ist der Mord an einem 46-jährigen Albaner am 9. Januar, der in Visselhövede (nahe Soltau und Walsrode) als Flüchtling Unterkunft gefunden hatte. Er wurde von einem Motorrad aus in der Nähe der Grundschule vor den Augen seiner Tochter angeschossen. In Albanien hatte er eine Haftstrafe wegen eines Tötungsdelikts verbüßt – Angehörige des Opfers hatten darauf mit Blutrache gedroht (siehe Info).

Im Zuge der Aktion der Ermittler wurden viele Wohnungen durchsucht, darunter je zwei Objekte in Seelze, Laatzen und Langenhagen (auch eine Asyl-Unterkunft, NP berichtete) sowie je eines in Leipzig und Dortmund . In Albanien durchsuchten die dortigen Ermittler 13 Objekte – auf Grund eines Rechtshilfeersuchens aus Deutschland und eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft für Schwerkriminalität in der Hauptstadt Tirana. Allein in Deutschland sind laut Staatsanwaltschaft 105 Beamte –„darunter Spezialeinsatzkräfte“ beteiligt gewesen.

Der in Seelze festgenommene 22-Jährige hat seine Beteiligung an der Tat in Visselhövede bereits eingeräumt, er sitzt jetzt in Untersuchungshaft wegen des Verdachts des „gemeinschaftlich begangenen Mordes“. Der zweite, am Mittwoch in Amsterdam inhaftierte Mann ist 24 Jahre alt – ihm wurde der Haftbefehl aus Verden präsentiert, er sitzt jetzt auch in U-Haft – und wartet wohl auf seine Auslieferung nach Deutschland.

Die Ermittler stellten „umfangreiches Beweismaterial“ sicher. Zudem stießen sie auf Drogen: mehr als ein Kilogramm Marihuana und etwa 30 Gramm Kokain. Auch eine fünfstellige Summe Bargeld wurde gefunden – die Ermittler vermuten dass es sich um Geld aus Drogengeschäften handelt. Spielt sich das Ganze etwa im Umfeld der Drogen-Mafia ab? Gaebel: „Wir haben derzeit keine Anhaltspunkte, dass es hier im Hintergrund um organisierte Kriminalität geht.“ Die länderübergreifende Aktion habe sich ergeben, weil entsprechende Informationen auf Aufenthaltsorte von Tatverdächtigen und für Beweise vorlagen – daher habe das auch alles zeitgleich stattfinden müssen. Den Ermittlern der Rotenburger Mordkommission sei „schnell klar gewesen, das es sich bei dem Mord nicht um eine Einzeltat handelt. Und wir wollten das umfassend aufklären.“ So gebe es noch weitere Verdächtige – mehr Details dazu nennt der Sprecher nicht.

Stichwort Blutrache

Blutrache meint, dass jemand jemanden tötet, weil er ihm vorwirft, seine Ehre oder die seiner Familie, seines Clans verletzt zu haben. Oft handeln mehrere Personen gemeinschaftlich oder agiert der Rächer auf Beschluss „seiner Seite“. Das Ursprungsprinzip ist sehr alt, es hieß „Gleiches mit Gleichem vergelten“. Entsprechende Passagen finden sich im Alten Testament (Auge um Auge), auch der Koran nennt das Prinzip. In Italien heißt es Vendetta, gilt als Phänomen im Süden (Mafia/Camorra).

Laut Internetlexikon Wikipedia ist die Blutrache neuzeitlich in Europa eher vom ehemaligen Jugoslawien bis in die Türkei zu finden.

In Albanien heißt sie Gjakmarrja – dort gab es in den 1990-er-Jahren nach dem Zusammenbruch der Diktatur häufig Fälle von „Ehrenmorden“. Sie beruht auf den tradierten Regeln, genannt Kanun, wird aber nicht mehr gemäß dem alten Gewohnheitsrecht „ausgeübt“ – so kommt es, dass Ehrenmorde für banalste Verbrechen herhalten müssen und angeblich mehrere tausend Familien im Blut leben, sich viele Menschen deswegen nicht mehr aus dem Haus trauen.
 

Von Ralph Hübner


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