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Prozess

Blutiger Streit unter Nachbarn

Moustapha M. (43) führte ein untadliges Leben: Frau, Kinder, Beruf. Bis zum 6. Dezember. An diesem Tag eskalierte ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit. Angeblich hatten die Töchter von M. zu laut Klavier gespielt. Gestern wurde der Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer verurteilt.

hannover. Es war Hass zwischen den Familien. Fast täglich gab es Beleidigungen – über Jahre hinweg. Am 6. Dezember 2016 eskalierte der Nachbarschaftsstreit in einer Bluttat. Gestern wurde Moustapha M. (43) wegen versuchten Totschlags im Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Ein unbedachter Moment zerstörte das Leben des Familienvaters. Immer wieder beschwerte sich sein Nachbar (49) über das Klavierspiel der Töchter (11, 13).

Als sie sich zufällig im Keller ihres Hauses (Vahrenwald) begegneten, fragte M. Seinen Kontrahenten: „Was guckst Du?“ Die Antwort: „Verpiss Dich in Deine Hütte.“ Diese unterschwellig rassistische Bemerkung nagte an dem Schwarzafrikaner. Er ging seinem Nachbarn hinterher. Es kam zur Konfrontation. Der 49-Jährige versuchte zu schlagen. M. Nahm ihn in den Schwitzkasten. Und dann der Riesenfehler: Er stach zwei Mal mit einem Messer zu; in den Bauch und in die Schulter. Er verletzte sein Opfer lebensgefährlich. Nur eine Notoperation konnte das Leben des 49-Jährigen retten. An die Messerstiche konnte sich das Opfer nicht mehr erinnern.

„Wir gehen davon aus, dass Sie die Stiche absichtlich geführt haben“, so Wolfgang Rosenbusch. Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer verneinte eine Notwehrsituation. Moustapha M. Sei so dicht an sein Gegenüber herangetreten, dass er das als Bedrohung empfinden musste. „Deshalb hätten Sie sich zurücknehmen müssen, weil sie die bedrohliche Situation herbeigeführt haben“, so der Richter.

Der Angeklagte aus Togo lebt seit 29 Jahren in Deutschland. Er hat eine Ausbildung als Fluggerätemechaniker, keine Vorstrafen. „Ich gehe jedem Streit aus dem Weg, um Stress zu vermeiden“, sagte er vor der Urteilsverkündung. Auch das Gericht ging davon aus, dass es eine „Spontantat“ war. Das Messer hatte der Angeklagte zufällig aus dem Auto geholt. Doch wer so zusteche, nehme bedingt den Tod seines Opfers in Kauf, urteilte das Gericht.

Verteidiger Vyacheslav Varavin hatte auf Notwehr beziehungsweise gefährliche Körperverletzung plädiert. Dem folgte das Gericht nicht. Der Angeklagte habe gesehen, dass er sein Opfer erheblich verletzt habe und sei dann geflohen.

Noch am selben Tag stellte er sich in Bonn der Polizei. Richter Rosenbusch: „Es war schlicht ein Alltagskonflikt.“

Von Thomas nagel


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