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Sozialpolitik

Bezirksrat: Stadt soll armen Rentnern helfen

Viele Rentner  erhalten nur eine kleine Rente. Sie haben Anspruch auf  Leistungen der Kommune, wissen es aber oft nicht. Der Bezirksrat fordert deswegen ein Info-Paket der Stadt für Rentner.

VON ANDREAS VOIGT

Hannover. Hilfe für Hannovers arme Senioren: Wer das Renteneintrittsalter erreicht hat, mit einer kleinen Rente auskommen muss und keine weiteren Leistungen bezieht, der soll künftig von der Stadt ein Informationspaket zu Wohngeld und Grundsicherung im Alter erhalten. Inhalt unter anderem: Antragsvordrucke und eine Telefonnummer, unter der eine „freundliche Beratung für Nachfragen“ möglich ist. Mit diesem Antrag hat sich der Stadtbezirksrat Mitte an die Verwaltung für die in ihrem Bezirk lebenden Senioren gewandt.

Nach einer Auflistung der Stadt leben mehr als 6700 Hannoveraner im Stadtbezirk Mitte, die 60 Jahre oder älter sind. Wie viele davon nur eine kleine Rente beziehen, wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mitgeteilt.
Mit dem Vorstoß möchte der Bezirksrat gegen die Altersarmut in seinem Stadtteil ankämpfen. Nach Erkenntnissen des Jugend-und Sozialdezernates der Stadt Hannover, so der Bezirksrat in seiner Antragsbegründung, hatten im Jahr 2007 insgesamt 68 Prozent der damals über 65-Jährigen trotz eines entsprechenden Rechtsanspruchs keine ergänzenden Leistungen bezogen. „Teilweise aus Unwissenheit, teilweise aus Scham“, so Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD).

Als Vorbild dient das Willkommenspaket für Familien mit neugeborenen Kindern. Die Stadt stellt hierbei Infos und Angebote sowie ein kleines Geschenk für das Neugeborene zusammen. Und in der Broschüre „Der kleine Geldbeutel“ listet die Stadt außerdem allgemeine Infos und Spartipps für Familien auf.

Unterstützung erhält die Politik vom Seniorenbeirat der Stadt Hannover. Deren Vorsitzende Monika Stadtmüller sagte, sie sehe einen solchen Infobedarf bei Renteneintritt als gegeben. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es aber schwierig, über die Rentenversicherungsträger an Daten zu kommen, wer anspruchsberechtigt ist.“ Ebenso wisse sie aus eigener Beratungserfahrung, dass es gerade die älteren Senioren aus Scham ablehnten, finanzielle Hilfe anzunehmen. „Selbst wenn sie dazu berechtigt sind“, so Stadtmüller.

Die Stadt steht dem Vorstoß des Stadtbezirksrates Mitte eher distanziert gegenüber. Ein solches Vorgehen in lediglich einem Stadtteil sei nicht zielführend, heißt es. Außerdem könne ein solcher Antrag nur rechtswirksam werden, wenn der Verwaltungsausschuss einen entsprechenden Beschluss gefasst habe.

Darüber hinaus verweist die Verwaltung darauf, dass die Region Hannover unter Kostenträgerschaft des Bundes Träger der Grundsicherung im Alter sei. „In Sachen Information ist der Bund sehr aktiv. Publikationen sind auch im Internet verfügbar“, so Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Auch die Deutsche Rentenversicherung informiere über Voraussetzungen und Ansprüche. Bei Renten bis aktuell 773 Euro liege dem Bescheid auch ein Antragsformular auf ergänzende Leistungen bei, so die Stadt.


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