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Meine Stadt Bezahlbarer Wohnraum in Hannover ist längst zu knapp
Hannover Meine Stadt Bezahlbarer Wohnraum in Hannover ist längst zu knapp
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09:29 30.07.2018
MEHR WÄRE NÖTIG: Das Angebot an öffentlich geförderten Wohnungen deckt bei Weitem nicht den Bedarf. Quelle: Foto: Ole Spata/dpa
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Hannover

„11 000 bis 12 000 Wohnungen fehlen in Hannover.“ Matthias Günther vom Pestel-Institut hat diese Zahlen Ende 2017 errechnet. Bestimmte Gruppen seien auf dem Immobilienmarkt völlig chancenlos, sagt er. Für jeden, der durch Krankheit, Sucht oder Haft aus der Bahn geworfen wurde, sei die Suche nach einem bezahlbaren Zuhause schwer.

Während Günther neues Datenmaterial zu Grunde legte, hat sich das Forscherteam der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung auf den Mikrozensus 2014 gestützt. „Da hatte die hohe Zuwanderung noch gar nicht eingesetzt“, sagt Günther. Inzwischen könnten Einkommensschwache kaum noch umziehen – und als Gegenmaßnahme zur Deckung des Defizits wirken die Anstrengungen von Stadt und Wohnungsbauwirtschaft nur bedingt.

In Deutschland fehlen mehr als 1,5 Millionen Sozialwohnungen, hat kürzlich die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“, ein Zusammenschluss von 30 Verbänden und Organisationen der deutschen Bau- und Immobilienbranche, der Bundesregierung klarzumachen versucht. Sprecher Michael Hölker befürchtet: „Die von der Großen Koalition versprochene Wohnraum-Offensive wird nicht gelingen.“

Im Bundeshaushalt hat der Experte den Hemmschuh entdeckt. Die von Olaf Scholz eingeplanten Summen reichten nicht aus. „Wenn die GroKo ihre wohnungsbaupolitischen Ziele erreichen will, dann braucht sie dafür mindestens vier Milliarden Euro pro Jahr – und nicht vier Milliarden für die gesamte Legislaturperiode.“

Bezahlbares Bauen und Wohnen werde zum immer größeren Problem, so Hölker. Er beobachtet genau, wie die deutschen Großstädte damit umgehen. „Berlin tut sich da deutlich schwerer als Hannover.“ Wegen des starken Bevölkerungsplus einigten sich die Stadt und die lokale Wohnungswirtschaft schon 2016 auf eine Wohnungsbauoffensive. Ziel ist der zügige Bau von mindestens 5000 neuen Wohnungen bis 2020, davon sollen 25 Prozent als öffentlich geförderte Wohnungen errichtet werden.

Dem Bündnis von SPD, Grünen und FDP im Rat ist klar, dass trotz dieser Offensive der Mangel kaum zu beheben ist. Sie haben sich darauf geeinigt, das Förderprogramm weiter zu entwickeln. Investoren sollen ermuntert werden, Häuser zu errichten und Wohnungen nicht nur zu Höchstpreisen anzubieten.

„Es fehlen vor allem Wohnungen mit Preisen zwischen vier und sechs Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete, um alle Haushalte nach Einkommenshöhe und Haushaltsgröße mit angemessenem und leistbaren Wohnraum zu versorgen“, stellt das Team der Hans-Böckler-Stiftung in seiner Studie fest. Spitzenreiter bei der Unterversorgung von Haushalten mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens ist übrigens nicht Hamburg (67,5 Prozent), sondern Freiburg (72,5 Prozent). Mit dem Wert von 59,4 Prozent schneidet Hannover nur geringfügig besser als Berlin (60 Prozent) und Braunschweig (61 Prozent) ab.

„Derzeit ist es eine Lotterie, eine Sozialwohnung zu bekommen“, findet Matthias Günther vom Pestel-Institut. Aktuell sind in Deutschland nur sechs Prozent der Mietwohnungen Sozialwohnungen. Zu wenige werden neu gebaut, zu viele, jährlich Zehntausende, fallen aus der 20 Jahre dauernden Sozialbindung heraus. Dass in Hannover „3,5 bis vier Prozent des Bestandes fehlen“, findet Günther alarmierend. Umso mehr, weil der Mangel inzwischen auch die Mittelschicht trifft, wie Karsten Klaus von der Hanova in Hannover beobachtet (siehe Interview).

Von Vera König

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