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Meine Stadt Bewerbung Hauptstadttitel: Kulturpolitiker begehren auf
Hannover Meine Stadt Bewerbung Hauptstadttitel: Kulturpolitiker begehren auf
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21:28 12.02.2018
Aktion "Ausnahmezustand": Künstler sammeln Ideen für die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Stellen Sie sich vor, Hannover ist keine Stadt, sondern ein Mensch. Statistisch gesehen wäre sie eine Frau. Nennen wir sie also: Frau H. Sie ist nicht so groß wie Frau B. oder Frau M, aber doch sehr stattlich. Sie ist 43 Jahre alt, lebt in einer 42 Quadratmeter großen Wohnung und geht dreimal im Jahr ins Kino.“

Mit dieser Einleitung bewirbt sich Hannover um den Titel als Europäische Kulturhauptstadt 2025 – zumindest im ersten Entwurf. Das 24 Seiten dicke Papier, das im Geschäftsbereich von OB Stefan Schostok entstanden ist, löst bei den Kulturpolitikern der Stadt alles andere als Begeisterung aus. „Das bisher Vorgelegte erfüllt nicht unbedingt unsere Ansprüche und Erwartungen“, sagt Michael Wiechert (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses.

Zweimal haben sich die kulturpolitischen Sprecher aller Fraktionen (bis auf die der AfD) mit der Beschlussdrucksache  beschäftigt. Alle Treffen fanden ohne Schostok statt – nach zwei Wochen Grippe hat er erst gestern seinen Dienst wieder angetreten. Dass die Zufriedenheit mit der Vorlage nicht allzu groß ist, dürfte der Verwaltungschef allerdings seit der Aktuellen Stunden im Rat wissen.

Fraktionsübergreifend wollen die Kulturpolitiker jetzt einen Antrag einbringen – und ziemlich viel auf Null stellen. Die Bewerbung soll erheblich überarbeitet und in vielen Teilen ergänzt werden. Zuständig für das weitere Verfahren müsse, so meinen sie, nicht der „Ausschuss für Angelegenheiten des Geschäftsbereich des OBs“ (spöttisch GbOB genannt“ sein, sondern eben der Kulturausschuss.

Am Freitag soll der gemeinsame Antrag im Kulturausschuss vorgestellt und diskutiert werden. Die erste Hürde steht heute bevor, die Sitzung der SPD-Ratsfraktion. Auch wenn etliche Passagen „suboptimal“ aufgesetzt und inhaltlich Mängel festzustellen seien, gilt dort bislang die Devise: „Keine scharfe Kritik. Wir müssen den OB stützen.“

Fraktionsübergreifend wünschen sich die Kulturpolitiker möglichst schnell einen Profi, der die Bewerbung vorantreibt. Um den Titel konkurrierende Städte wie Dresden hätten da schon Einiges vorgelegt, heißt es. Den bisherigen Entwurf hat nach NP-Informationen Schostoks Büroleiter nach Zuarbeit einzelner Dezernate zusammen geschrieben. Seine „Frau H.“ wird die Neufassung kaum überleben.

Vera König

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