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Meine Stadt Betteln für den guten Zweck
Hannover Meine Stadt Betteln für den guten Zweck
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21:24 11.03.2018
Quelle: Christian Bohnenkamp
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Hannover

Nicht mit Kindern auf dem Arm oder in Banden organisiert – und erst Recht nicht aggressiv: Im neuen Sicherheitskonzept der Stadt ist Betteln ein großes Thema. Der neue Ordnungsdienst soll verstärkt darauf achten, dass die gesetzten Grenzen eingehalten werden. Viel lästiger wird vielen Passanten in der City zuletzt allerdings das forsche Auftreten von Hilfsorganisationen geworden sein. Die Stadt sieht sich mittlerweile zu einem harten Durchgreifen gezwungen.

Dabei sind die Regeln eigentlich klar: Höchstens vier Personen dürfen an einem Stand arbeiten, sich maximal fünf Meter weit davon entfernen und Passanten auch nur in ein Gespräch verwickeln, wenn diese selbst „deutliches Interesse bekunden“, erklärt Stadtsprecher Udo Möller.

Die Realität allerdings sieht in vielen Fällen anders aus. Die Mitarbeiter an den Ständen der Hilfsorganisationen springen zum Teil sogar Innenstadt-Besuchern in den Weg und verfolgen diese. „Ausdrücklich untersagt“ in den Standerlaubnissen sei das, sagt Möller. Auch Anfassen und sogar Ansprechen seien eigentlich verboten. Daran hält sich allerdings fast niemand. Zum Ärger der Händler. „Das ist richtig schlimm geworden. Die arbeiten mit allen Tricks, um auf sich aufmerksam zu machen“, kritisiert Martin Prenzler, Geschäftsführer der Citygemeinschaft. Gerade an besucherstarken Shoppingtagen würden Einkaufende „bis zu zehnmal angesprochen und zum Teil wirklich belästigt. Das ist absolut abschreckend“.

Auch die Stadt bestätigt, dass sich die Lage zuletzt verschlimmert hat. Ein Grund dafür könne sein, dass „sich die Stände untereinander gegenseitig hochschaukeln“, sagt Möller. Deshalb habe die Verwaltung entschieden, zu handeln. „Wir werden jetzt deutlich rigoroser dagegen vorgehen und das mit erhöhter Aufmerksamkeit überwachen und kontrollieren“, kündigt er an.

Tatsächlich konnte die NP am 8. März am Ernst-August-Platz beobachten, wie Kontrolleure der Stadt Mitarbeiter eines Unicef-Standes zurechtwiesen. Laut Stadt wurden in den zwei Wochen davor wegen wiederholter Verstöße auch vier Standerlaubnisse widerrufen.

Bei den Hilfsorganisationen angestellt sind die Mitarbeiter an den Ständen allerdings gar nicht. Sie werden meist von lokalen Agenturen beauftragt, die wiederum Geld für ihre Dienstleistung von Unicef und Co. erhalten. Allerdings nur, wenn sie auch liefern. „Teilweise erfolgsabhängig“, erfolge die Entlohnung, bestätigt Unicef-Sprecher Rudi Tarneden auf Anfrage der NP. Aus Sicht von Martin Prenzler von der Citygemeinschaft erklärt das auch, warum an den Ständen so oft die Regeln gebrochen werden. „Die haben einfach riesigen Druck“.

Laut Unicef sind die Stände an beliebten Orten „ein guter – und allgemein akzeptierter – Weg, um mit Menschen direkt in Kontakt zu kommen“ und sie für eine Patenschaft zu interessieren. Man lege allerdings „großen Wert darauf“, dass sich „die Dialoger angemessen verhalten“. Methoden wie „Menschen auf der Straße überrumpeln, aggressives Vorgehen oder jemanden unter Druck setzen“ würden „ausdrücklich abgelehnt“.

Christian Bohnenkamp

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