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Kriminalität

Betrunkener wollte Polizisten von Balkon stürzen

Ein alkoholisierter Mann hat versucht, einen Polizisten in Hannover von einem Balkon im neunten Geschoss zu stoßen. Gegen ihn sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden, teilte ein Polizeisprecher am Freitag mit.

Hannover. Versuchter Polizistenmord im neunten Stock: Vom Balkon eines Hochhauses am Canarisweg (Mühlenberg) wollte ein betrunkener Anwohner (37) einen Beamten in den Tod stürzen. Der 34-Jährige konnte sich gerade noch rechtzeitig am Geländer festhalten, bevor er in die Tiefe fiel. Ein Haftrichter erließ gestern Haftbefehl wegen versuchten Mordes.
Alles begann zunächst ganz harmlos: Eine Mieterin (23) alarmierte am Donnerstagabend gegen 19 Uhr die Polizei, weil sie lauten Streit im Hausflur gehört hatte. „Das hat sich angehört wie ein Familienstreit“, erzählten Nachbarn der NP. Der Beamte und ein Kollege (36) klingelten bei dem 37-jährigen Deutschen. Er bat die Polizisten freundlich in seine Wohnung. Als diese Marihuana rochen und Reste eines Joints in der Küche fanden, wurde der Mieter immer gereizter und aggressiver. Schließlich entschieden sich die Beamten, dem Bewohner sicherheitshalber Handschellen anzulegen. Der Mann war nicht das erste Mal aufgefallen: „Er ist polizeilich nicht unbekannt“, sagte Polizeisprecherin Anja Gläser, ohne Einzelheiten zu nennen.
Die Handschellen zeigten Wirkung: Der Mieter beruhigte sich.  Der 34-jährige Polizist wollte daraufhin telefonisch einen Rauschgift-Spürhund anfordern. Weil der Handyempfang schlecht war, betrat er den Balkon und stellte sich mit dem Rücken zum Geländer. In diesem Moment stürzte der Bewohner plötzlich aus der Wohnung auf den hochgewachsenen Beamten zu und warf sich mit voller Wucht mit Kopf und Oberkörper gegen ihn.
„Der gefesselte Mieter versuchte ihn durch einen heftigen gezielten Stoß gegen den Körper über die Brüstung zu stürzen“, so Gläser.  Die Polizisten brachten den Angreifer zu Boden. Dieser wehrte sich heftig, trat nach den Beamten. Beide erlitten leichte Prellungen sowie Verletzungen durch herumliegende Glasscherben. Sie brachten den 37-Jährigen auf die Wache. Dort wurde bei ihm ein Wert von über zwei Promille festgestellt. In der Vernehmung schwieg der Beinahe-Mörder. Der angegriffene 34-Jährige Polizist überstand die Tat nach eigenen Angaben ohne größere Probleme und ließ sich auch nicht krankschreiben.
Der Canarisweg mit seinen rund 1100 Menschen aus 50 Nationen und vielen Arbeitslosen ist ein sozialer Brennpunkt, die Polizei oft im Einsatz. Die Bornumer Straße trennt den Bereich vom Stadtteil Mühlenberg räumlich völlig ab: „Er ist ein Satellit, die Anwohner sind nicht in das Leben auf der anderen Straßenseite integriert“, beschrieb das der damalige Bezirksbürgermeister Andreas Markuth 2010. Ein Quartiersmanagement versucht seit Jahren, die Situation am Canarisweg zu verbessern.

Harald Grube

Hannover Canarisweg

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