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Meine Stadt Sparpläne beschlossen: Regiobusse fahren künftig seltener
Hannover Meine Stadt Sparpläne beschlossen: Regiobusse fahren künftig seltener
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00:20 10.03.2018
Die Umlandbusse sind von Kürzungen betroffen. Quelle: Becker
Hannover

Es war eine merkwürdige Debatte: Grüne, Linke, Hannoveraner und AfD auf der einen Seite – auf der anderen SPD und CDU. Am Ende stimmte die „Groko Regio“ für Sparmaßnahmen im regionalen Busnetz. Künftig werden selten frequentierte Regiobuslinien morgens, abends und an den Wochenende seltener fahren. Damit werden 1,4 Millionen Fahrplankilometer eingespart. Im Gegenzug sollen die Sprinter-Linien 300, 500 und 700 aufgewertet werden. Ebenso wie die Linien 370, 40, 640 und 650.

Frank Straßburger (SPD) argumentierte: „Leere Busse fahren zu lassen, ist weder ökologisch noch ökonomisch.“ Der Zuschussbedarf der Regiobus habe beträchtlich zugenommen. Ohne die Einsparungen steige das Defizit noch mehr. Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz erklärte: „Die Fahrgastzahlen bei der Regiobus sinken, und das bei einer Zunahme der gefahrenen Kilometer.“ Eberhard Wicke (CDU) ergänzte: „Es wurden ganz bestimmte Schwachzeiten abgehängt. Die Menschen haben Verständnis dafür.“ Insgesamt sind 30 Linien von der Ausdünnung der Takte betroffen. Nur wenige Linien (510, 533) werden ganz gestrichen.

Viel Infrastruktur verloren gegangen

Evrim Camuz (Grüne) hielt dagegen: „Wir müssen neue Formen der Mobilität schaffen.“ Ulrich Schmersow (Grüne) verwies auf die Demonstration in Benthe: „Mit mehr als 200 Teilnehmern war die Demonstration so erfolgreich, weil bereits viel Infrastruktur verloren gegangen ist.“ Er meinte damit: Kein Supermarkt mehr, kein Arzt, keine Bank.

Bürger protestieren in Benthe mit einer Menschenkette gegen Kürzungen bei der Buslinie 510. Quelle: Behrens

Tenor der Opposition: Anstatt die schlecht angenommenen Linien auszudünnen, sollte man das Angebot attraktiver machen. Die Anträge der Opposition, die in diese Richtung zielten, wurden von der „Groko Regio“ niedergestimmt.

So kritisierte Rüdiger Hergt (Gruppe Region): „Die Unternehmensberater haben nur Fahrgäste gezählt.“ In der Tat folgt der Sparplan größtenteils dem Gutachten einer Beratungsfirma. Die Einwendungen der Kommunen wurden größtenteils von der Regionsverwaltung abgelehnt.

Regionsverwaltung: Kein Ort wird abgehängt

Das Versprechen der Regionsverwaltung: Kein Ort wird abgehängt, in den Hauptverkehrszeiten wird es regelmäßige Verbindungen nach Hannover geben. Aber macht es Sinn, wenn ein Gesellschafter drei Linien (Üstra, Regiobus, S-Bahn) parallel in die City fahren lässt? Es gibt Verkehrsexperten, die das bezweifeln.

Der Redebeitrag der Regiobus-Aufsichtratsvorsitzenden Ulrike Thiele (SPD) hinterließ einen merkwürdigen Eindruck. Ihr letzter Satz: „Ich habe eine Monatskarte“ wirkte deplatziert. Gerade sie hat über Jahre beide Augen vor dem schlechten Management bei Regiobus verschlossen.

Thomas Nagel

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