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Meine Stadt Bei Atom-Gau: Jodtabletten nur für unter 45-Jährige
Hannover Meine Stadt Bei Atom-Gau: Jodtabletten nur für unter 45-Jährige
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09:07 08.04.2016
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Hannover

Konkret geht es um den Reaktorblock 2 im belgischen Atomkraftwerk Tihange, 70 Kilometer westlich von Aachen und um den Reaktor 3 im Kernkraftwerk Doel bei Antwerpen. Die beiden Reaktoren waren nach mehreren Pannen im Februar für längere Zeit vom Netz genommen worden.

Die Probleme der beiden AKWs sind aus hannoverscher Sicht nicht ganz unbedeutend, da die Stadt nur etwa 370 bis 400 Kilometer von den Kernkraftwerken
in Belgien entfernt ist. In der jüngsten Ratssitzung wollten
die Grünen von der Verwaltung ebenso wissen, was
im Schadensfall durch ein deutsches Atomkraftwerk passiere, etwa durch das benachbarte Kernkraftwerk
Grohnde. Im Falle eines Großunfalls würde die Umgebung in Sicherheitszonen unterteilt. Hannover liegt in der Außenzone – als Schutzmaßnahme ist die Verteilung von Jodtabletten an die Bürger vorgesehen. Diese Tabletten verhindern eine Speicherung von radioaktivem Jod in den Schilddrüsen, da dieses Organ nur eine bestimmte Menge Jod aufnehmen kann. Die Tabletten wirken also als Jodblockade.

Doch nicht jeder der aktuell rund 537 000 Hannoveraner käme in den Genuss so einer Tablette. Die Verordnung vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht das nur für Personen bis 45 Jahre vor. In Hannover sind dies 301 000 Bürger. Nach der Fukushima-Katastrophe hatte das BfS die Sicherheitsmaßnahmen ausgeweitet: Vor dem GAU waren nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere für eine Tablette vorgesehen, zusammen etwa 80 000 Hannoveraner. Bei jüngeren Menschen ist die Schilddrüse wesentlich aktiver und nimmt deshalb deutlich mehr Jod ein. Für ältere Menschen kann eine Jodtablette dagegen sogar schädlich sein.
Für die Lagerung der Ta-bletten ist das Land zuständig, die sie im Störfall an die Stadt weitergibt. Die wiederum lässt sie über die Feuerwehr an die Bürger verteilen. Die Tabletten werden an einem vertraulichen Ort gelagert. Nach NP-Informationen sollen sie sich im Fliegerhorst Wunstorf befinden.

von Andreas Voigt

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