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 © Florian Petrow

Celler Straße

Behörden bei Problemhaus machtlos?

Die Räume sind voller Müll und Ungeziefer. Müll fliegt aus dem Fenster. Stromkabel sind wild gezogen. „Unhaltbare Zustände“ in einer Schrottimmobilie an der Celler Straße beschäftigen seit Monaten Politik und Stadt. Kein Einzelfall.

Hannover.  Das Schrotthaus an der Celler Straße – mehrmals wöchentlich suchen Sozialarbeiter die Mieter auf. Mehrmals monatlich steht die Polizei bei ihnen vor der Tür. 18 Menschen (Roma, heißt es) sind hier gemeldet. In Räumen voller Müll und Ungeziefer schlafen sie zum Teil auf dem Fußboden. Und das ist kein Einzelfall.

CDU-Fraktionschef Jens Seidel kennt eine Hand voll solcher Häuser, in denen Bulgaren und Rumänen leben. „Wahrscheinlich sind es weitaus mehr“, vermutet er. Zum Teil zu horrendem Preis würde den Menschen der Wohnraum vermietet. „Es soll Fälle geben“, sagt Seidel, „da teilen sich 30 Männer, Frauen und Kinder drei Zimmer.“

Das Problem ist nicht nur die Überbelegung. Die Arbeitsmigranten haben keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung (bis aufs Kindergeld bei Vorlage eines Mietvertrags) und völlig andere Vorstellungen vom Leben als der Durchschnittsdeutsche.

Müll fliegt aus dem Fenster. Elektrische Leitungen zieht man selbst. Das Hab und Gut wird nicht in Schränken, sondern Plastiktüren verwahrt. Und Kinder gehören nach dem Verständnis vieler nicht in die Schule. Für ihre Erziehung ist der Clan verantwortlich.

„Sozialarbeit stößt da an ihre Grenzen“, sagt ein Experte. Trotzdem versucht es die Stadt mit aller Kraft, das Problem zu lösen. Seit 2013 gebe es die Koordinierungsstelle Südosteuropa, berichtet Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf. Die zwei Sozialarbeiter seien ebenso eingeschaltet wie der Kommunale Sozialdienst, die Ordnungsbehörden und die Polizei. Selbst das Angebot, den Mietern Ersatzwohnraum zu besorgen, habe nicht gefruchtet. Auch die Bußgeldbescheide wegen des dauernden Schulschwänzens bleiben unbezahlt und ergebnislos.

„Kuschelkurs geht nicht mehr. Hier geht es um Kindeswohl“, findet Seidel und schlägt ein Krisentreffen der Integrationspolitiker im Rat vor. „Schulschwänzen hat nichts mit Kindeswohlgefährdung zu tun“, gibt Beckedorf zu bedenken. Präsenz zu zeigen, sei vermutlich die einzige Chance.

Christine Kastning (SPD), Freya Markowis (Grüne) und Wilfried Engelke (FDP) kennen den Fall seit Monaten. Die Stadt nehme ihre Verantwortung wahr, finden sie in großer Übereinstimmung. Dass Rainer Beckmann, der Chef des Vereins Haus & Grundeigentum, fordert, mit staatlichen Mitteln oder notfalls mit Gewalt müsse man “die unhaltbaren Zustände sofort beenden“, löst eher Kopfschütteln aus. Vielleicht wird das Problem vor Gericht gelöst. Der Vermieter hat Räumungsklagen eingereicht.

Von Vera König


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