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VERURTEILT: Gabriel M. (mit Anwalt Philipp Kaiser) überfiel und malträtierte einen wehrlosen Mann. Foto: Kutter

VERURTEILT: Gabriel M. (mit Anwalt Philipp Kaiser) überfiel und malträtierte einen wehrlosen Mann. Foto: Kutter© Katrin Kutter

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Prozess

Behinderten überfallen - drei Jahre Haft

Ein irrwitziger Überfall: Unter den Augen vieler Partygänger wird ein behinderter Mann überfallen und ausgeraubt. Der Täter wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Er hatte den Raub und das Würgen seines ungleichen Gegners gestanden.

Hannover. Ein ebenso absurdes wie brutales Verbrechen: Gabriel M. (37) wurde gestern im Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt - wegen Raubes. Am 16. Oktober 2016 hatte der Rumäne einem behinderten Flaschensammler (47) den Rollator weggerissen, ihn ins Gesicht geschlagen und mit seinem Gürtel gewürgt.

Der Angeklagte gestand die Tat vor der Diskothek „Zaza“ in der Hamburger Allee. „Ich entschuldige mich bei Ihnen“, meinte M. zu seinem Opfer. Doch dann legte er los: „Vielleicht erinnert er sich an die Provokation zwei Tage vorher.“ Gabriel M. meinte, dass ihn das Opfer zwei Tage vor der Tat nach einem Zechgelage bestohlen habe. Anwalt Philipp Kaiser hatte zuvor in einer Erklärung die Annahme seines Mandanten als Irrtum bezeichnet.

Eine Videokamera hatte das Geschehen zwischen 5 und 5.27 Uhr aufgezeichnet. Das Gericht sah, wie das Opfer zu Boden ging. Danach zog Gabriel M. es wieder hoch. Die Schläge auf die Nase und das Würgen wurden von einer Säule verdeckt. Der Skandal hinter dem Verbrechen: Viele Leute gingen an dem blutenden Opfer vorbei. Ein Mann beobachtete den brutalen Überfall. Doch nichts geschah. Erst um 5.23 Uhr ging ein Notruf eines Türstehers in der Leitzentrale ein. Richterin Renata Bürgel zu der fehlenden Hilfsbereitschaft: „Unfassbar.“

Unfassbar ist auch das Verhalten des Angeklagten. Er stahl dem gehbehinderten Mann eine Geldbörse mit etwa 15 Euro, darin war auch ein Ehering. Zweimal kehrte er an den Tatort zurück. Bereits als die Rettungssanitäter eingetroffen waren, stöberte er noch in den Sachen seines Opfers herum. Vorher hatte er das Handy des 47-Jährigen auf den Tisch vor dem „Zaza“ gelegt.

Psychiater Tobias Bellin stufte das Verbrechen in der Öffentlichkeit als wenig „strukturiert“ ein. Der Angeklagte, wohl ein Obdachloser, hatte zur Tatzeit etwa 2,1 Promille intus. Bellin konnte eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen. Er meinte zur Tat: „Sie ist mir ein Rätsel.“ Ein Kriminalbeamter (59) versuchte es mit einer Antwort: „Was wollte er bei einem Flaschensammler stehlen? Mein Eindruck war, dass es ihm nur ums Quälen ging.“


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