Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Basse: Bürgerinitiative gegen den Lkw-Lärm
Hannover Meine Stadt Basse: Bürgerinitiative gegen den Lkw-Lärm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 16.06.2017
OHRENBETÄUBEND: Birgit Trautmann kann die Geräuschkulisse vor ihrem Haus nicht mehr ertragen.  Quelle: Fotos: Droese
Anzeige
Basse

Seit dem 28. April fahren sie durch Basse und die umliegenden Orte. Bis zu 800 am Tag. Schuld daran ist die Brückensperrung der B 6. Schwerlaster dürfen die Brücke nicht mehr passieren. Anwohnerin Brigitte Trautmann ist aufgebracht: „Morgens um vier ist meine Nacht vorbei, dann fahren die ersten Lkw durch die Straße.“ Die 67-Jährige kann den Verkehr durch ihr Küchenfenster beobachten. „Den Lärm kann niemand ertragen.“

Um der Umleitung zu trotzen, haben die Bewohner der Dörfer Basse, Empede und Suttorf die Bürgerinitiative „Freie Fahrt B 6“ gegründet. Neben Trautmann sind es inzwischen rund 160 Mitglieder. Die Dörfer lehnen sich auf. „Nicht nur die Lautstärke belastet uns gesundheitlich. Es lauern viel größere Gefahren, von der Umweltbelastung wollen wir gar nicht erst sprechen“, kritisiert Mitglied Heinrich Stünkel (57). Die Straßen sind ausgelastet – so viel Verkehr hat es in Basse früher nie gegeben. Eine provisorische Ampel soll den Verkehr regeln. Mit mäßigem Erfolg: „Die Autofahrer werden ungeduldig und fahren bei rot.“ Ältere Menschen und Kinder trauen sich kaum, die Straße zu überqueren.

Doch ein Ende ist frühestens in zweieinhalb Jahren in Sicht. So lange soll es laut der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dauern, bis die Lkw wieder auf der B 6 fahren können. Friedhelm Fischer betreut die Baumaßnahmen und kennt das Problem: „Es handelt sich um eine Brücke aus den 60er-Jahren. Die Nachrechnung hat ergeben, dass sie Lasten über 7,5 Tonnen nicht mehr tragen kann.“ Grund: Damals sei das Verkehrsaufkommen ein anderes und der Lkw leichter gewesen. Brücken wurden auf andere Lasten ausgelegt. Nun soll gehandelt werden. „Derzeit prüfen wir Konzepte, die die Verkehrslage entspannen sollen“, so Fischer. Doch damit ist nicht zwingend die Brückenerneuerung gemeint. Wenn es gut laufe, sei diese frühestens 2022 fertig. Nicht die einzige Brücke, die es in Hannover trifft. Auch Südschnellweg, Messeschnellweg und die Brücke an der Hindenburgschleuse seien betroffen. Hier gebe es ebenfalls Beschwerden, aber bei weitem nicht so starke wie in Basse.

Dort ist man überzeugt: „Lastwagen gehören nicht in die Dörfer, sondern auf die Bundesstraße.“ Trautmann ist müde vom Lärm: Zu kurz sind die Nächte für die 67-Jährige, die seit mehr als 30 Jahren in dem Ort lebt. „Ich wollte meinen Ruhestand hier verbringen, doch es ist ein Unruhestand.“ Auch Sabine von der Lieth (57) hat es schwer getroffen: Ihr denkmalgeschütztes Haus wackelt, wenn die Laster um die Ecke biegen. Von der Lieth betont: „Uns ist klar, dass wir als Bürger auch Straßensanierungen mittragen müssen, aber wir müssen gemeinsam mit den Behörden einen Weg finden, die Zeit zu verkürzen, um es für alle erträglicher zu machen.“ Fischer sieht da wenig Spielraum: „So leid es mir tut, da müssen sie jetzt durch.“ Als Bürger sei man schließlich auch verantwortlich. Viele Transporter seien auch aufgrund des Online-Handels auf den Straßen.

Das weist Trautmann schmunzelnd von sich. „Ich habe so viele Lkw gesehen, wie noch nie zuvor“, sagt sie und ist gezwungen innezuhalten – ihre Stimme geht im Geräuschpegel unter. Dann fügt sie hinzu: „Viele Lkw transportieren hauptsächlich Industriegüter.“ Man wolle sich nicht gegenseitig die Schuld zuweisen, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn für die Initiative steht fest: „So halten wir das nicht mal ein Jahr aus.“

Von Mandy Sarti

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige