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Diskussion

Bargeld im Koffer: Das gibt es nur noch im Tatort!

Ist Bargeld unverzichtbar oder hat es ausgedient? Hilft es nur Mafia & Co. oder ist das unerheblich? Experten diskutieren in Hannover das Für und Wieder - dabei offenbart sich: möglicherweise denken ältere Menschen anders darüber als die junge Generation.

Hannover. Bargeld - brauchen wir es denn (noch)? Die Zeichen deuten eher auf „Verzichtbar!“ hin: Der 500-Euro-Schein wird nach und nach eingezogen. Die Politik diskutiert, ob sie Bargeldgeschäfte (Mafia! Drogen!) zumindest begrenzt. Immer mehr Geschäfte können per Karte oder Online-Klicks bezahlt werden (geschieht im deutschen Einzelhandel fast schon zur Hälfte). Im Internet tauchen zunehmend rein digitale Währungen auf (etwa Bitcoin). Ob das alles so gut ist, diskutierten am Montag in Hannover auf Einladung der Friedrich- Naumann-Stiftung drei Experten.

Die Annahme, dass wir ohne Bargeld keine Schwarzarbeit und viel weniger Kriminalität hätten, ist laut Friedrich Schneider (67), Kenner der Schattenwirtschaft und Professor der Universität in Linz, „grottenfalsch“. Die dunklen Geschäfte würden „höchstens drei bis fünf Prozent zurückgehen. Mit dem Geldkoffer über die Grenze - das sehen wir bloß noch im ‚Tatort‘. Die große Kriminalität läuft längst bargeldlos.“

Für Karl-Heinz Paqué (59), einst Finanzminister in Sachsen-Anhalt, ist Bargeld „wie ein Bürgerrecht. Würde man den Bargeldgebrauch einschränken, ist das so, als ob man im Kino den Notausgang verschließt - das geht nicht.“ Ob beim Autokauf, als Sicherheitspolster unterm Kopfkissen oder einfach, um unbeobachtet handeln zu können: es gebe „ein Recht auf Anonymität“. Schneider pflichtet bei: „Diese Freiheit ist mir sehr, sehr viel wert.“ Viel wirkungsvoller wäre es, Menschenhandel (Prostitution) und viele Drogen zu legalisieren: „Dann würde die Drogenkriminalität um zwei Drittel zurückgehen, das trocknet das Ganze aus.“ Natürlich sei Bargeld auch „eine Generationenfrage“, gibt Schneider zu (das spiegelte auch das Publikum im „Gustino“). Er möchte letztlich „den Markt“ entscheiden lassen. „ob wir noch Bargeld brauchen. Ich persönlich möchte eine Vielfalt der Zahlungssysteme.“

Ricardo Ferrer Rivero (32) ist Unternehmer aus Hannover, geboren in Venezuela. Er hat ein Bezahlsystem für Bitcoin entwickelt (Pey) und glaubt, dass es ein im Grunde einfaches und sicheres Geldsystem ist, bei dem nur die üblichen Akteure (Banken) nichts mitverdienen, weil man sie nicht braucht. Er ist sicher: „Bargeld wird verschwinden, weil es Nachteile aufweist“ (Transport, Lagerung, fälschbar, abhängig von Finanzinstitutionen). Er will „neue Wege suchen, mich mit dem Thema auseinandersetzen“, und hofft, dass sich „die Vorteile des digitalen Geldes mit den Vorzügen und der Freiheit des Bargeldes“ verbinden lassen.


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