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VERMÜLLUNG: Bundesweit landen jährlich 3 Milliarden Kaffeebecher im Abfall.

VERMÜLLUNG: Bundesweit landen jährlich 3 Milliarden Kaffeebecher im Abfall.
 © Foto: dpa

Coffee to Go

Bäcker und Umweltministerium wollen Becher-Irrsinn stoppen

Drei Milliarden Pappbecher landen Deutschlandweit jährlich im Müll, eine Katastrophe für die Umwelt. Dabei ist es ganz leicht, den Kaffee in einem eigenen Becher zum Wiederbefüllen mitzunehmen. Mit einer gemeinsamen Kampagne wollen Bäcker und das Niedersächsische Umweltministerium das Mehrwegsystem für Anbieter attraktiver machen.

Hannover.  Coffee to Go ist in der Tat heiß begehrt. Doch was als Segen für die mobile Gesellschaft gedacht war, entpuppt sich als Katastrophe für die Umwelt. Allein in Deutschland landen jährlich 3 Milliarden Pappbecher im Müll. „Das ist eine gewaltige Hausnummer“, so Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Bäcker Klaus Borchers aus Hannover und die Landesinnung der Bäcker wollen den Irrsinn stoppen – und haben mit dem Ministerium eine Kampagne gestartet.

„Die Becher sind innen beschichtet“, erklärte Wenzel weiter. „Sie sind nicht richtig recyclingfähig.“ Deshalb wirbt er zusammen mit der Innung dafür, dass Kaffeeanbieter Gefäße der Kunden zum Befüllen annehmen. „Gemeinsam wollen wir praxistaugliche und umweltgerechte Lösungen finden.“

Bei den meisten dürfte er damit offene Türen einrennen. Den eigenen Becher füllen zu lassen, ist offenbar selten ein Problem. Das geht etwa in der Kaffeebar Moca in der Goseriede genauso gut wie bei Backwärts, Starbucks oder sogar McDonald’s. Die Balzac-Kette begrüßt Mehrweglösungen ausdrücklich: „Jeder Gast, der seinen eigenen Becher zum Wiederbefüllen mitbringt, erhält 25 Cent Ermäßigung“, so Sprecherin Franziska Isensee. Die Hygienerichtlinien der Deutschen Umwelthilfe würden eingehalten. „So muss der Becher zum Beispiel visuell auf Sauberkeit überprüft, der Deckel vom Gast abgenommen werden.“

„Coffee to Go ist im Bäckergeschäft von großer Bedeutung“, sagt Landesinnungsmeister Karl-Heinz Wohlgemuth, über dessen Ladentresen täglich 120 Becher wandern. Klaus Borchers setzt in seinen sechs Filialen auf ein eigenes System, mit dem er die Hygienestandards beim Mehrweg garantiert: den Pfandbecher. „Den bringt der Kunde wieder mit, und der wird bei uns fachgerecht gespült, der Kunde bekommt einen anderen“, erklärt er. Fünf Euro beträgt das Pfand, soviel kostet der Becher im Einkauf. 15 000 Euro hat Borchers dafür investiert.

Die Innung will mit der Kampagne auch andere Bäcker mitziehen. Bereitschaft dürfte vorhanden sein. Bei Bosselmann etwa in der Nordmannpassage ist das Mitbringen eines eigenen Bechers ebenfalls kein Problem. Auch nicht im Eiscafé am Steintor. „Jeder, der seinen Becher mitbringt, kriegt 10 Cent Rabatt“, betont Inhaber Massimo dall’Asta. Da der Kaffee bei ihm aus der Maschine in ein kleines Kännchen tropft und danach umgefüllt wird, gibt es auch keinen Kontakt zwischen Becher und Gerät.

Die Hygienevorschriften

Damit das Mehrwegsystem sowohl vom Kunden als auch beim Anbieter akzeptiert wird, müssen Hygienestandards gelten. Zur Erleichterung hat das Umweltministerium eine Handlungsempfehlung herausgegeben.

Die wichtigsten Punkte: Sichtkontrolle der mitgebrachten Becher, bei Verschmutzung keine Annahme (oder gegebenenfalls Reinigung). Kein Berührungskontakt zwischen der Auslauftülle der Maschine und dem Becher. Befüllung durch geschultes Personal und entsprechende Personalschulungen.

Außerdem sollte für die Annahme mitgebrachter Becher ein geeigneter Bereich ausgewählt werden, der bedarfsgerecht gereinigt und gegebenenfalls desinfiziert werden kann. Händereinigung und -desinfektion sollten ebenfalls möglich sein. Die Standard-Abläufe sollten dokumentiert sein.

Von Andreas Krasselt


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