Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Bach-Prozess: "Schleichende Euthanaie"
Hannover Meine Stadt Bach-Prozess: "Schleichende Euthanaie"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:51 07.12.2009
Anzeige

Von Annette Rose

Hannover. Siebter Tag im Totschlagsprozess gegen Ärztin Mechthild Bach (60). Im ersten von 13 Fällen – dem Tod des Mehrfachkrebs-Patienten Wolfgang S. (52, starb Heiligabend 2001) – trug Anklage-Gutachter Michael Zenz sein Gutachten vor.

Bach habe gegen alle medizinischen Grundsätze beim Einsatz von Morphin und Schlafmitteln verstoßen. Der Patient sei nicht aufgeklärt worden über seinen Zustand und die Medikamente, die von Bach überdosiert worden seien. Zenz nannte das „schleichende Euthanasie“.

Nach Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die schon 2001 bekannt gewesen seien, müssten vor der Gabe von Morphin und Diazepam Art und Intensität eines Schmerzes festgestellt werden. Dazu finde sich nichts in der Krankenakte von S. Bach habe, als die Krebsdiagnose feststand und der Patient gegenüber seiner Frau über Schmerzen klagte, 20 Milligramm Morphin verabreichen lassen. Und eine Woche später 80 Milligramm Morphin und 100 Milligramm Diazepam pro Tag. Das habe bei S., der nicht an Morphin gewöhnt war, zum Atemstillstand führen müssen.

Bei korrekter Behandlung hätten als Anfangsdosis nur fünf bis zehn Milligramm Morphin gespritzt und 15 Milligramm Beruhigungsmittel als Tabletten verabreicht werden dürfen, so Zenz. Er sei sicher, dass der Patient dann überlebt hätte.

Ähnlich drückte es der Gutachter des Medizinischen Dienstes, Manfred Schwartau, aus. Er sprach von „Vergiftung“. Die Richter ließen den Arzt sein Gutachten erstatten, obwohl Bachs Verteidiger einen Befangenheitsantrag gestellt hatten. Anwalt Matthias Waldraff zitierte Anklage-Gutachter Zenz. Selbst der habe Schwartau „Vorurteile und mangelnde Sachkenntnis“ bescheinigt. Aber: Zenz kommt zum selben Ergebnis wie der Gescholtene.

Mechthild Bach, die gestern das Wort ergriff, erklärte, sie habe als Belegärztin engen Kontakt zu ihren Patienten gehabt. Die Diagnose, ob jemand sterbenskrank sei, könne man nicht aus Akten stellen, sondern „nur am Bett“. Das erfordere „viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach einer sogenannten Skimming-Attacke auf eine Bankfiliale in Hannover hat die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen.

07.12.2009

Die Universität Hannover untersucht den Handel mit Kinderpornografie im Internet. Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums ist es die bundesweit erste Studie, die klären soll, woher das kinderpornografische Material stammt und wie es verbreitet wird.

07.12.2009

Unbekannte Täter sind Sonntag Abend zwischen 19:30 und 21:50 Uhr in eine Pizzeria an der Wunstorfer Straße in Neustadt am Rübenberge eingebrochen und haben das Lokal in Brand gesetzt. Die Polizei sucht Zeugen.

07.12.2009
Anzeige