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Meine Stadt Azubi verprügelt Mitschüler mit Baseballschläger
Hannover Meine Stadt Azubi verprügelt Mitschüler mit Baseballschläger
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17:16 13.06.2018
Ein Justizbeamter nimmt am 22.08.2016 dem Angeklagten Veljko M. im Landgericht in Hannover (Niedersachsen) Handschellen ab. Der 33-jährige Angeklagte soll mit drei Mittätern eine Juweliermitarbeiterin entführt haben, um den Schlüssel sowie den Zugangscode für den Tresor zu erpressen. Bei ihren Ermittlungen prüften die Ermittler Zusammenhänge zu der weltweit agierenden «Pink-Panther»-Bande von Juwelenräubern. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (zu dpa "33-Jähriger nach brutalem Überfall auf Juwelier vor Gericht" vom 22.08.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
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Beinahe wäre Vadim Z. (25) ein Justizopfer geworden. Vor dem Amtsgericht wurde der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte grundlos am 3. November 2015 mit einem Baseballschläger auf einen Azubi-Kollegen in der BBS Handel eingeschlagen.

Am Mittwoch wurde der Angeklagte im Landgericht freigesprochen. Er habe die Tat im Zustand einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie begangen, urteilte Richter Dirk Gittermann. Er ist also schuldunfähig. Sein Anwalt Matthias Doehring meinte: „Ich habe bereits in der ersten Instanz auf die psychischen Auffälligkeiten hingewiesen.“ Doch damals wollte das Gericht davon nichts hören.

In seiner Jugend war Vadim Z. ein schlimmer Finger. In einer Bemeroder Gang machte er die Gegend unsicher. An der IGS Kronsberg kündigte er einen Amoklauf an. Eine Lehrerin beschimpfte er am Telefon auf übelste sexistische Weise. In seiner Clique trank und kiffte er. Schon damals fiel Z. grundlos Passanten an, immer war er dabei betrunken. 2013 hatten sich die Strafen so angehäuft, dass er zwei Jahre und neun Monate in Jugendhaft gehen musste.

Das war der Wendepunkt im Leben von Vadim Z. Er hörte auf zu trinken, löste sich von seiner Clique. Doch das verstärkte seine grüblerische Ader und Einsamkeit.

Als er dann eine Lehre als Lagerist machte, sank sein Selbstwertgefühl in den Keller. Er dachte die Kollegen würden schlecht über ihn reden, ihn mobben. Er fühlte sich als „Schwuchtel“ diskriminiert. Also griff der zurückhaltende Mann zum Baseballschläger. Das Opfer wurde nur leicht verletzt

In Wahrheit gab es kein Mobbing. Die Frage war nun: Wie geht man mit jemandem um, der im Wahn so aggressiv werden kann? Psychiater, Tobias Bellin: „Er hat lange Zeit auch ohne Behandlung keine Straftaten begangen.“ Kurzfristig gebe es kein Risiko. Da er freiwillig auf Alkohol verzichte und Medikamente nehme, spreche viel für eine ambulante Therapie. Die Strafkammer 18 verurteilte Vadim Z. zu einer Einweisung in den Maßregelvollzug – aber auf Bewährung.

Der junge Mann lebt noch bei seiner Mutter und sucht eine Arbeit. „Ich mag es gerne, alleine zu sein. Ich lese viel“, so Vadim Z. Als Lieblingslektüre nannte er die Biografie von Donald Trump und Arnold Schwarzenegger. Den literarischen Geschmack wertete die Kammer als nicht strafverschärfend.

Von Thomas Nagel

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