Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Gibt es am Flughafen Hannover bald selbstfahrende Autos?
Hannover Meine Stadt Gibt es am Flughafen Hannover bald selbstfahrende Autos?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 29.11.2018
Freihändig:Rafael Garcia braucht weder Hände noch Füße. Quelle: Dröse
Langenhagen

Rafael Garcia ist ganz entspannt. Mit den Händen auf den Oberschenkeln sitzt er zurückgelehnt auf dem Fahrersitz eines VW Golf Variant. Nach vorne gucken? Muss Garcia nicht. Denn sein Auto fährt ganz von alleine.

Zum ersten mal hat der Flughafen Hannover-Langenhagen den Einsatz eines autonom fahrenden Fahrzeugs getestet. „Im Rahmen unserer Digitaloffensive wollten wir uns über die Möglichkeiten des autonomen Fahrens frühzeitig informieren“, erklärt Marion Tenge, Leiterin der Unternehmensentwicklung des Airports.

Hört man den Politikern oder Wirtschaftsbossen zu, könnte man denken, dass das autonome Fahren bereits in wenigen Jahren Realität sein wird. Schließlich gibt es in dem Bereich bereits eine Vielzahl an Technologien, die bereits in der Praxis getestet wurden.

Doch Tatsache ist: Ein selbstfahrendes Auto, in dem der Mensch im Stadtverkehr nicht auf dem Fahrersitz Platz nehmen muss, ist noch in weiter Ferne. Experten sagen, 20 bis 30 Jahre werde es noch dauern, bis wir Hände, Füße und Gehirn nicht mehr zur Fortbewegung benötigen. Derzeit nutzen die Autohersteller bereits eine breite Palette an Assistenzsystemen, die das Fahren erleichtern: Staupiloten, Einparkhilfen oder Fahrspurassistenten. Doch noch gilt: Der Fahrer muss jederzeit eingreifbereit sein.

Auf dem Weg hin zur autonomen Mobilität stehen auch noch eine Menge offener juristischer wie ethischer Fragen. Wie entscheidet ein Auto, wenn zwei Menschen auf der Straße stehen? Wer haftet bei einem technisch be­dingten Unfall? Bevor die Technologie serienmäßig auf deutschen Straßen unterwegs sein wird, werden diese Fragen noch beantwortet werden müssen.

Dafür arbeitet der Flughafen nun mit dem auf automatisierte Mobilität spezialisierten Unternehmen Ibeo aus Hamburg zusammen. Im Rahmen eines Workshops identifizierte man gemeinsam nun 31 mögliche Anwendungsfelder für autonome Fahrzeuge – davon sollen nun vier weiterverfolgt werden. „Zum Beispiel bei Besuchertouren können wir uns einen Einsatz solcher Fahrzeuge vorstellen“, legt Flughafensprecher Sönke Jacobsen dar und erläutert: „Die Rahmenbedingungen müssen stringent und passend sein.“ Ein Einsatz auf dem Rollfeld kommt daher wohl erst einmal nicht infrage.

Um zu demonstrieren, zu was die Technik heute imstande ist, hat die Firma Ibeo extra einen Vorführwagen mitgebracht. Der Golf Variant ist mit fünf Lasersensoren sowie einem Computersystem ausgestattet – und fährt auf einer ihm bekannten Strecke völlig von alleine. „Die Laser senden Impulse aus und messen die Zeit, die das Licht braucht, um zurückzukehren“, erklärt Ibeo-Ingenieur Andreas Haase. So könne der Computer auch erkennen, ob sich ein Objekt bewegt oder statisch ist. Drei der Sensoren sind an der Front des Autos, jeweils unterhalb der beiden Scheinwerfer sowie unter dem Nummernschild angebracht. Zwei weitere befinden sich im Heck des VW und sind auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. „Die Autohersteller legen Wert darauf, dass die Laser möglichst unauffällig verbaut sind“, sagt Haase. Schließlich soll ja das Design nicht maßgeblich verändert werden.

Und tatsächlich: Die Testfahrt vom Flughafen über die Münchner Straße und zurück gelingt. Fahrer und Ibeo-Systementwickler Rafael Garcia kann die Hände vom Steuer und den Fuß von Gas und Bremse nehmen. Der Wagen fährt ganz von alleine, weicht Hindernissen aus – und hält sich dabei auch noch streng ans Tempolimit.

Noch ist das autonome Fahren Zukunftsmusik. Doch der Test am Flughafen zeigt: Die Technik ist auf einem guten Weg. Und womöglich fährt über Hannovers Flughafengelände demnächst schon ein selbstfahrender Wagen. Sprecher Sönke Jacobsen kündigt an: „Wir können uns vorstellen, im kommenden Jahr so ein Projekt zu realisieren.“

Von Janik Marx

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!