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OHNE BEGLEITUNG: Karolin Gustmann (links) und Juiia Fricke (beide 18) dürfen alleine ans Steuer.

OHNE BEGLEITUNG: Karolin Gustmann (links) und Juiia Fricke (beide 18) dürfen alleine ans Steuer.
© Fotos: Dröse

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Autofahren ab 16 womöglich ab Ende 2018

Seit Jahren dürfen 17-Jährige den Führerschein machen und dann in Begleitung eines Erwachsenen in den Straßenverkehr. Jetzt soll der nächste Schritt folgen: Ans Steuer ab 16 – Niedersachsens Verkehrsminister hofft, das Modellprojekt Ende 2018 starten zu können.

HANNOVER, HANNOVER.  

Niedersachsen möchte den Führerschein mit 16 testen – als „begleitetes Fahren“-Modell wie bisher für 17-Jährige (siehe Seite 1).“ Der Vorstoß von Verkehrsminister Olaf Lies findet Unterstützung:

Dieter Quentin, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Niedersachsen seiht im begleiteten Fahren „die preiswerteste und effektivste Maßnahme zur Unfallreduktion von Fahranfängern. Je länger die Begleitphase dauert, umso wirkungsvoller ist sie. Darum müssen wir uns für ein „Begleitetes Fahren ab 16“ einsetzen.“

Lina Waldmann (17) macht derzeit eine Ausbildung als Erzieherin und ist am Montag mit ihrem Vater unterwegs: Sie nehmen an einem Fahrsicherheitstraining des ADAC in Laatzen teil, welches auch der Minister besucht. Sie findet das Projekt BF 17 gut, „weil ich da Fragen stellen kann und nicht alleine mit 18 in den Straßenverkehr muss“. Sie lerne durch die Begleitung der Eltern „einfach immer etwas dazu“. Dass das künftig mit 16 Jahren möglich sein soll, findet sie „eine gute Idee: Je früher man das tut, umso früher hat man Erfahrung.“ Skepsis angesichts der Unfallstatistik und der Beteiligung junger Menschen daran (siehe Text rechts) lässt sie nicht gelten: „Ich glaube nicht, dass junge Leute leichtsinniger sind – zumindest nicht generell. Es gibt da solche und solche.“

Leon Langhans (18) hat das Stadium „mit Begleitung“ hinter sich, ist ebenfalls zum Sicherheitstraining in Laatzen. Führerschein mit 16? „Mit Eltern ja, ohne nicht“, sagt er. Das sei nicht zu früh, denn „wenn man verantwortungsbewußt damit umgeht, ist das okay“. Und das kann schon das richtige Alter sein? „Das kommt, glaube ich, ich auf die Persönlichkeit an.“

Julia Fricke (18) findet das Model BF 16 „eigentlich gut – aber nur, wenn die Eltern mitfahren. Da kann man gut Erfahrung sammeln.“ Karolin Gustmann (18) hat auch mit 17 „den Schein“ gemacht – sie fand gut, dass Begleitung an Bord war: „Das gibt ein bisschen Sicherheit, und da ist jemand, den man fragen kann“. Daher findet sie BF 16 gut, denn „dann sind die Leute noch sicherer, wenn sie mit 18 dann alleine dürfen!“

Auch Hausherr ADAC ist für das Begleitmodell: „Wir haben BF 17 von Anfang an unterstützt. Das Unfallrisiko konnte durch das begleitete Fahren wirksam reduziert werden“, sagt Bernward Franzky, Vorstandsmitglied für Verkehr des ADAC Niedersachsen-Sachsen-Anhalt. Zudem biete „das Monitoring“ die Möglichkeit, die Fähigkeiten der jungen Fahrer bereits in der Begleitphase zu entwickeln und zu trainieren: „Mit der Verlängerung der Begleitphase wird diesem positiven Effekt Rechnung getragen“. Minister Lies glaubt: „Zwei Jahre begleitetes Fahren – da ist die Chance größer, dass da tatsächlich auch Erfahrung gemacht wird.“

Zahlen und Fakten

Seit 2004 dürfen 17-Jährige in Niedersachsen in Begleitung ihrer Eltern Auto fahren. Das Projekt war so erfolgreich, dass das begleitete Fahren mit 17 (BF 17) seit 2008 bundesweit möglich ist.

Vergangenes Jahr hatten in Deutschland gut Rund 211 000 Pkw- Fahrer (55,4 Prozent) einen Unfall mit Personenschaden verschuldet. Knapp 70 Prozent der unfallbeteiligten Pkw-Fahrer im Alter von 18 bis 20 Jahren wurden als Hauptverursacher eingestuft.

Am Ende des Niedersächsischen Modellversuchs vor 13 Jahren stand folgendes Ergebnis: Die 17-Jährigen verursachten 28,5 Prozent weniger Unfälle als die 18-jährigen Fahranfänger. Auch auf längere Sicht ist die Zahl der Unfälle unter Beteiligung junger Erwachsener gesunken: Verunglückten 2004 noch 92 000 18- bis 25-Jährige im Straßenverkehr, waren es 2015 noch 66 000. Obwohl die Unfallzahlen gesunken sind, sind Fahranfänger noch immer die Haupt-Risikogruppe im Verkehr. Jeder fünfte Unfallverursacher war 2015 zwischen 18 und 24 Jahre alt – keine Altersgruppe verschuldete mehr Unfälle.

In Frankreich ist begleitetes Fahren mit 16 Jahren erlaubt, mit 18 muss noch mal eine Prüfung abgelegt werden. Eine Ausnahme: Als Mindestalter für den Autoführerschein gilt EU-weit: 17 Jahre. In South Dakota, USA, dürfen schon 14-Jährige alleine Autofahren, in den meisten anderen US-Bundesstaaten darf man unter Auflagen mit 15 bis 17 Jahren unbegleitet ran.

Von Ralph Hübner


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