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Wissenschaft

Auf der Suche nach dem wahren Weihnachtssong

Last Christmas oder Stille Nacht? Was als schönes Weihnachtslied gelten darf, ist mehr als umstritten. Aber vielleicht gibt es ja eine wissenschaftliche Erklärung. Die NP hat in der Musikhochschule nachgefragt.

Hannover. Ein bisschen ist es wie das Huhn, das goldene Eier legt. Ein nie versiegendes Einkommen, zuverlässig, krisensicher. Dass Wham 1984 „Last Christmas“ veröffentlichte, lohnt sich für George Michael and Andrew Ridgeley bis heute - kaum ein Weihnachtslied steigt so regelmäßig in die Charts ein und verbleibt dort wochenlang. Die Leute kaufen es, als wäre es brandneu. Und keiner will’s gewesen sein.

Es ist ein Glaubenskrieg der Musikhörer. Die einen benötigen festliche Musik im Advent wie Tannenbaum und Gans zum Weihnachtsfest. Die anderen verziehen in weihnachtsverachtender Abscheu das Gesicht, sobald im Supermarkt die ersten paar Takte von „Jingle Bells“ spielen. Woran liegt es, dass Musik so unterschiedliche Reaktionen auslöst?

„Man kann das nicht nur mit den Eigenschaften der Musik begründen, sagt Reinhard Kopiez. Der Professor für Musikpsychologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover erforscht, wieso Lieder auf Menschen wirken, wie sie wirken. Dabei spiele vor allem der Lernprozess eine wichtige Rolle. Dass Weihnachtsmusik bei vielen Menschen Freude oder positive Reaktionen auslöst, sei eine Mischung aus der festlichen Komposition und der Erinnerung. „Wir haben mit dem Fest nur positive Assoziationen - Geschenke, soziale Begegnungen, viele Sinne werden angesprochen.“ Viele dieser bereits in der Kindheit erlernten Muster würden sich im Gehirn verankern, die Musik löse Erinnerungen aus.

Der mögliche Rückschluss, dass Menschen, die Weihnachtsmusik nicht mögen, eher schlechte Erfahrungen mit dem Fest an sich haben, ist für Kopiez zumindest nicht falsch. „Die Verknüpfungen sind nicht entstanden, die Musik löst nichts aus.“ Ob ein Song dann gemocht wird, hänge dann schlicht damit zusammen, ob er den eigenen Geschmack anspreche. Menschen aus Kulturen, die kein Weihnachten feiern, können tendenziell auch den festlichen Klängen wenig abgewinnen. Wiederum verstünden Christen, dass die entsprungene Ros’ nicht von einer Blume, sondern der Geburt Jesu handelt. „Da wird der Text bedeutsam und somit positiv besetzt.“

Dass die deutschen Klassiker wie „Stille Nacht“ und eben „Es ist ein Ros’ entsprungen“ heute bei vielen Menschen im Vergleich zu amerikanischen Hits eher unpopulärer sind, macht Kopiez auch an der Globalisierung fest. „Feliz Navidad“, „Last Christmas“ und Konsorten setzen sich in deutschen Hörgängen fest, weil sie die positiven Eigenschaften des Festes ohne den christlichen Hintergrund transportieren und somit auch Menschen ansprechen, die weniger oder nicht religiös sind. So würden, meint Kopiez, auch Migranten eine Möglichkeit finden, an dem Fest teilzuhaben und sich mitreißen zu lassen, ohne in religiöse Konflikte zu kommen. Generell bezeichnet Kopiez die Gruppe Weihnachtslieder als „homogen“, die „Stille Nacht“ habe dann doch einen gänzlich anderen Charakter als Mariah Careys „All I Want For Christmas“. Vorfreude aufs Fest können aber beide wecken.

Warum aber nervt gerade „Last Christmas“ so viele Menschen so unsagbar? „Wie zum Beispiel bei Drogen gibt es auch im ästhetischen Bereich eine Überdosis“, erklärt Kopiez. Es gehöre außerdem inzwischen quasi zum guten Ton, ein theoretisch simples Pop-Liedchen aus den 80er Jahren nervig zu finden. Das Stück sei dennoch nicht zu unterschätzen. Pop leide oft unter dem Vorurteil der Banalität. „Der Grat zwischen banal und genial ist sehr schmal, man stürzt schnell auf einer der beiden Seiten ab. Guten Songs gelingt die Balance zwischen den Extremen.“ Wäre dies keine Herausforderung, hätten alle Songs die gleichen Chancen auf Erfolg. „Ein Song ist aber mehr als die Summe seiner Bestandteile. Eine gute Idee, eine Hookline, einen Refrain, etwas Prägnantes und letztlich etwas, das sich im Prinzip gar nicht benennen lässt. Ohrwurmfaktor würde es grob erfassen.“ Bedeutet: Man kann nicht einfach nur ein Weihnachtslied machen, dass dann automatisch ein Hit wird, weil jeder an das schöne Fest denkt, wenn er es hört. Der wahre Hit muss auch das gewisse Etwas haben, die Prise Magie. Und solange das nach Wham niemandem im Ausmaß eines „Last Christmas“ gelingt, wird es wohl noch viele, viele Jahre viele, viele Nerven kosten - aber auch eine Menge Leute glücklich machen.


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