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Archäologin Ute Bartelt© Dröse

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Archäologie

Auf den Spuren der Germanen in Gehrden

Beim Blick in die Kiste mit den Wildschweingebissen muss Ute Bartelt, Archäologin bei der Region, lachen. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, wie bei Asterix und Obelix.“ Ähnlich wie die Gallier scheinen auch die Germanen auf viel Fleisch in ihrer Speisekarte Wert gelegt zu haben. Erstaunlich, dass die organischen Substanzen rund 1500 Jahre im Boden überdauerten.

Gehrden. Doch das ist nicht das Bemerkenswerteste an der Grabungsstätte im Gehrdener Gewerbegebiet Bünteweg. Die Funde aus der spätrömischen Kaiserzeit (3. bis 5. Jahrhundert nach Christi) lassen derzeit nur einen Schluss zu. Zwischen Gehrden und Everloh lebte einst ein „Big Man“ oder Germanen-Häuptling. „Wir haben hauchdünne Keramik mit starker Profilierung gefunden“, erklärt die Archäologin. Diese Töpferwaren konnten nur auf einer Drehscheibe produziert werden. Selbst ein Laie erkennt den Unterschied zwischen der feinen Arbeit und den groben handgetöpferten germanischen Krügen und Töpfen.

Allerdings kannten die Germanen keine Drehscheiben. Die Vielzahl der Feinkeramik-Funde sei „einzigartig für Südniedersachsen“. Ergo muss in Gehrden ein bedeutender Germane gelebt haben, der sich solche Kostbarkeiten leisten konnte. Bartelt verglich sie mit Vasen aus der Ming-Dynastie. Hinzu kommen Glasfunde, die aus dem römischen Reich stammen müssen. „Die Germanen kannten kein Glas“, sagt die Expertin.

Sie ist sich sicher, dass die römische Keramik aus heimischer Produktion stammt. Bereits in den 80-er Jahre wurde ein Ofen bei Rössing (Kreis Hildesheim) mit solchen Scherben entdeckt. Für die Archäologin stellt sich jetzt die Frage: „Waren es Römer oder Germanen, die bei Römern in die Lehre gegangen sind, die für den Technologie-Transfer sorgten?“ Zurzeit steht jedenfalls fest, dass die feine Keramik nach zwei Generationen wieder aus der Germanen-Siedlung verschwand.

Warum hockte der Germanen-Häuptling am heutigen Bünteweg? Salopp ausgedrückt: Der Kohle wegen und weil was los war. „Hier verlief ein uralter Handelsweg.“ Der Hellweg habe das Ruhrgebiet mit der Elbe-Region verbunden. In der Siedlung konnte man also an begehrte Waren (Waffen, Schmuck, Gewürze) kommen und bekam viele Informationen. Auch die Altvorderen haben gerne geklatscht und Geschichten erzählt, so ganz ohne Fernsehen und Internet.

Bereits im vergangenen Jahr wurden Teile der Siedlungen ausgegraben. Das Grabungsteam der Firma Archaeofirm (Isernhagen) brachte Hinweise auf Langhäuser, Grubenhäuser, Brunnen und Vorratskammern zu Tage. Unsere Ahnen webten, töpferten und schmiedeten Eisen in den Grubenhäusern. Wie groß die Siedlung war, bleibt noch ungewiss bleiben. „Wir haben das Gelände noch nicht komplett erschlossen“, meint Ute Bartelt. Sie geht davon aus, dass die Grabungen noch bis 2013 dauern.

Zurzeit markieren gelbe Pflanzenkärtchen die markanten Punkte der Grabung. Wobei die Moderne den Forschern Grenzen setzt. In einer Grube mit Brandrückständen vermuten sie einen Töpferofen. Aber ein Starkstromkabel setzt den Gräbern bei der weiteren Erkundung eine Grenze. Tierknochen ragen noch aus dem Erdreich – auch für Laien beeindruckend.

So mühsam die Grabungen auch waren, sie werden in den nächsten Wochen wieder dem Erdboden gleichgemacht. Denn das Gelände gehört der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG). Sie verkauft die Flächen an Unternehmen. Auf der Grabungsfläche des letzten Jahres befindet sich nun ein Landmaschenhandel. Irgendwie passend, schließlich lebten auch die Germanen von Ackerbau und Viehzucht.

Es liegt im Wesen der Archäologie, dass mit jedem Fund neue Fragen auftauchen. In Gehrden reichen die Relikte der Vergangenheit mittlerweile bis ins sechste Jahrhundert, also bis ins frühe Mittelalter. Allerdings fehlen noch so rund 150 Jahre um die Brücke zu einem Grabfund in Gehrden zu schlagen. „Dort wurden als Grabbeigabe eine hochwertige Gürtelgarnitur gefunden. Das ist ein Hinweis auf ein Mitglied der heimischen Elite“, so Ute Bartelt. Allerdings waren damals hier schon die Sachsen heimisch. Aber sind die Eliten sich nicht auf der ganzen Welt ähnlich ...

Gehrden Bünteweg

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