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Meine Stadt Arzt formt neue Kniescheibe aus dem Becken
Hannover Meine Stadt Arzt formt neue Kniescheibe aus dem Becken
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00:16 05.05.2013
NACH DER OPERATION: Das Knie hat wieder eine Patella.
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Laatzen

Er hat bei der Frau einen überaus seltenen Eingriff vorgenommen: Er hat ihr einen Span aus dem Beckenkamm als Kniescheibe (Patella) eingesetzt. „In den sechs Jahren hier in Laatzen war das die erste Operation dieser Art. Ich kenne den Eingriff aber aus meiner Zeit im Annastift“, so Rühmann. Weltweit handle es sich um einen sehr seltene Operationsmethode.

Die Leidenszeit für Lisa Werner begann 2010. Sie erhielt in ihrem Heimatkrankenhaus ein künstliches Kniegelenk. Doch eine Infektion verhinderte eine Einheilung des Implantats. Es folgten vier Operationen und die Entfernung der Kniescheibenreste. Die Probleme waren erheblich: „Eine aktive Streckung des Gelenks war nicht mehr möglich“, sagt Oliver Rühmann. Das Gelenk wurde instabil. Bei jeder Belastung schmerzte das Bein.

Die Ärzte empfahlen der Patientin eine Versteifung des Kniegelenks. „Das hätte eine erhebliche Beinverkürzung von zehn Zentimetern bedeutet“, sagt der Chirurg. Die Patientin lehnte das ab.

Sie fragte Professor Rühmann, ob es noch eine Alternative gebe. Es gab sie. Mitte April wurde sie operiert. „Der Heilungsverlauf verlief komplikationslos. Sie ist mit voller Belastung an Gehstützen mobilisiert.“ Lisa Werner befindet sich jetzt in der Reha. Die Patientin empfinde jetzt deutlich weniger Schmerzen, kann das Gelenk zunehmend strecken und empfindet Stabilität im Knie.

Warum ist dieser Eingriff so selten? „Beim Verlust einer Kniescheibe verliert man nur selten die komplette Streckung des Gelenks“, sagt Rühmann. Deshalb sei ein Ersatz der Patella eigentlich nicht nötig. Der Span aus dem Beckenkamm lässt sich gut an das Knie anpassen und wird vor der Operation anmoduliert. Die Kniescheibe verstärkt die Kraftübertragung.

Laut einer Studie von MHH-Medizinern hat der chirurgische Eingriff bei einer Mehrzahl der Patienten zu mehr Stabilität und Kraft im Gelenk geführt. Diese Erkenntnis wurde aus der Langzeitbeobachtung (im Schnitt drei Jahre vier Monate) bei 13 Patienten, die zwischen 1997 und 2006 operiert wurden, gewonnen.

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